Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 16)
- Language
- German
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im Lichte Geiger'scher Hypothesen. 138 ״wenn ich die Macht hätte, so würde ich es aufheben". Warum hat Samuel nicht die Macht? weil er sich scheut, der älteren Autorität Hillel's entgegeuzutreten; also strikte Unterordnung unter das Bibelwort, Scheu vor ältern Autoritäteu ergiebt die Interpretation dieser Stelle, und sie gerade führt G. an, um muthigen, selbstvertrauendeu Sinn zu erweisen? Und G. weiß auch, woher dieser Freiheitssinn bei ihm kommt; er ist ein Babylonier, der niemals nach Palästina ging; sein Genosse Räb ist von der Gesinnung dieses Landes beeinflußt. Nun es kann ja sein, daß Rapoport und nach ihm Frankel recht haben, wenn sie behaupten, Samuel sei nie in Judäa gewesen; zwar werde erwähnt, er habe R. Jehuda Hanassi geheilt; indeß das sei brieflich geschehen. Aber steht die Sache so fest, uni aus ihr Charakterdivergenzen zwischen Rab und Samuel zu erklären? Geiger hat an dieser Stelle die Babylonier über die Judäer, oder wie er sich ausdrückt, über die Jerusalemiten erhoben; indeß mit echter Gerechtigkeit vertheilt er Licht und Schatten zu gleichen Maßen; S. 293 heißt es: ״die Jerusalemiten sind nüchterner, einfacher, sie erkannten die überkommenen Lehren als allmählig geworden, den Babylonier ist alles uralt, entweder mosaische Tradition oder Einrichtungen der ersten Glieder in der Traditionskette". Dieses letzte entweder — oder ist uns zwar etwas unklar, da für den jerusalemischen Talmnd Moseh und das erste Glied in der Traditionskette so ziemlich identisch waren: indeß das von Geiger beigebrachte Beispiel wird schon die Sache erläutern. Denn wiederum kommt das uns schon nicht mehr unbekannte eine Beispiel um eine originelle These zu begründen. Die Gelehrten streiten über die Stellung, welche einer Gebetsformel in der Reihenfolge derselben anzuweisen ist. Da bricht einer in die Frage aus: wie war dieser Streit möglich, da man doch sehen konnte, wie sich das Volk verhielt? Der Jeruschalmi braucht dafür die Formel רבר שהוא נוהג ובא וחכמים חולקין! Der Babli dagegen läßt den R. Simon b. Aba sagen: Haben je die Männer der großen Versammlung die Gebete festgestellt, da mag man ja sehen, wie sie es angeorduet haben. Frankel citirt beide Stellen und constatirt einen שינוי קצת, und wir halten die Version des Babli für logischer, da ja ein Brauch noch darum nicht gerechtfertigt ist, weil alles Volk ihn übt: es