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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 3 · p. Seite 130

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 3
Article
Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
Date
1871-01-01
Page
Seite 130 (sequence 11)
Language
German
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130 Der jerusalemische Talmud Zeitalter an ihm gezerrt haben — und das uns'rige nicht am wenigsten —, bekanntlich keine Instanz gegen Geiger; schon auffälliger ist uns der Ausdruck: Juda ist gegenüber Israel entschieden reformatorisch; er ist uns, offen gestanden, nicht ganz klar; Reform wird ja immer nur an dem Bestehenden geübt; in Juda ist ja aber Alles, wie G. erzählt, prächtig bestellt; von allen schlimmen Dingen ״weiß es nichts"; was gab es denn dort zu reformiren, wo man ״von nichts wußte", nichts von einem besonders geheiligten Priesterthum, auch nichts von Beschneidung u. s. n>., kurz, wo man vom Judenthume höchstens so viel wußte, wie in einer modernen Reformgemeinde? ״Aber Juda war ja auch nur reformatorisch, gegenüber Israel"; als wenn der Gesunde den Kranken dadurch heilen könnte, daß er gesund ist, als wenn das Juda nach dem Zuschnitt Geiger's nicht eben nur an Israel hätte Reform üben können, nicht ihm gegenüber. Doch lassen wir diesen Wortstreit und wenden wir uns zur Sache. Noch einmal! ״Juda bedarf nicht einer besonders geheiligten Priesterkaste und will von priesterlichen Vorrechfen nichts wissen". ׳ Tie Bibel ist gegen dieser Behauptung; das hat nichts auf sich; aber auch Herr vr. Geiger ist dagegen; das ist gefährlicher. Denn da lesen wir auf der andern Seite von einem ״Priestergeschlecht des Zadok, das von Alters her als treu zu Juda haltend und deshalb als allein berechtigt zu priesterlichen Funktionen galt". Da hätten wir ja die besonders geheiligte Priesterkaste, als uraltes Institut, und wir finden sogar bei Geiger nichts von Kämpfen gegen dasselbe. Inda ״weiß von nichts" und dennoch erzählt Geiger ״von einer Stimmung der Gemüther, welche zur Zeit Esra's zu dem entschiedenen Festhalten an dem lieber ko m menen, aus dem geheiligten Vaterlande Mitgebrachten drängte;" ״das Volk umklammerte mit ״heißer Fiebergluth" (was als Gegensatz zu kalter Fiebergluth sehr charakteristisch ist) das neu gewonnene Vaterland; es trug das Verlangen nach einem ״möglichst engen Anschluß an die ehemaligen Zustände, nach einer vollständigen Restauration." Die Restauration eines Hauses, das niemals gestanden hat, eines altm Herkommens, das niemals existirt hat, wer vermag dies Widerding zu fassen und zu erklären! Der ״altisraelitische Geist", dieser ״äußerliche priesterliche Geist" gewinnt plötzlich Macht in

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