Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829406-2865692--13339-2865734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
im Lichte Geiger'scher Hypothesen. 131 Juda; aber dieser Geist, wo kommt er her? man könnte sich vielleicht die Sache so denken, daß im Exil Juda und Israel zusammengekommen, daß dort ihre Gesinnungen verschmolzen seien; und wir sind gern bereit, diese neue Hypothese Herrn vr. Geiger ohne Entgelt abzutreten; aber ist es nicht bezeichnend, daß G. diese Lücken in seinem Luftbau nicht einmal merkt? Diese Frömmler, diese Formelmenschen, die Geistesnachfolger des Jerobeam sind die Zadokiten; ihnen gegeniiber steht der Phansäismus, ״der das ganze Volk möglichst in Priestergewand und Priestersatzung hüllen wollte". Wahrscheinlich sind auch die biblischen Worte: wer wollte, das ganze Volk des Herrn wären Propheten, daß Gott seinen Geist auf sie lege, oder ״ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein" u. a. Einschiebsel aus dieser Zeit! Nun kommt die ״alte Halachah", begründet von den Zadokiten, von den Pharisäern, von Schammat, Elieser, Jsmael fortgesetzt; ihr gegenüber steht die neue Halacha, an ihrer Spitze Hillel, doch wohl als Ordner der sieben hermeneutischen Regeln. Daß Jsnrael diese Regeln ausgebildet und erweitert hat, scheint, genau genommen, ihn zum Stimmführer der alten Halacha wenig zu befähigen; indeß wer wird auch Dinge, wie Geiger's alte und neue Halacha, an denen höchstens so viel Wahrheit ist, wie die Wirklichkeit dem Schatten leiht, genau nehmen? Lassen wir diesen Kampf gegen Schatten und sehen wir uns das genauer an, was G. über den jerusalemischen Talmud vorbringt. Zuvörderst möchten wir auf einen Punkt aufmerksam machen, der so ganz unwesentlich wohl nicht ist. G. entwickelt eine große Belesenheit im Jeruschalmi, und da dieser abseits von der Heerstraße liegt, da eine Controls über die Quelle dieser Gelehrsamkeit besonders den christlichen Gelehrten nicht gut möglich ist, so sagen sich die Leser dieses Aufsatzes: Wer seinen Gegenstand so gründlich kennt, daß ihm rasch ein passendes Citat zu Gebote steht, der ist competent zum Urtheil selbst gegen einen so hervorragenden Talmudisten wie Frankel. Auch Schreiber dieser Zeilen hatte Anfangs ein ähnliches Gefühl; uni so lebhafter war sein Erstaunen, als eine genauere Vergleichung ihm ergab, daß wohl alle Stellen, welche G. aus dem Jeruschalmi citirt, auch in dem Werke Frankel's Platz gesunden haben. Die Frage ist insofern eine äußerliche, als es ja, wenn die Waffen, die G. 9*