Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 10)
- Language
- German
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im Lichte Geiger'scher Hypothesen. 12S mit der Darstellung der politischen und socialen Zustände unseres Volkes zur Zeit, als die ersten Ansätze zum jerusalemischen Talmud gemacht wurden. Geiger muß einen andern Weg einschlagen, da er absolut Neues, den biblischen Berichten völlig Widersprechendes über die innere Geschichte, über Religion und Kultur der Reiche Israel und Juda u. s. w. zu berichteil hat. Sehen wir einige erlesene Proben dieses Berichts uns genauer an. ״Die Gesetzgebung, wie sie aus dem religiösen Beivußtsein in dem zuerst erstarkten und zumUebergewichte gelangten Reiche Israel hervorgegangen war, hat einen scharf ausgeprägten priesterlichen Charakter;" ״allmälig erlangt jedoch das in sich mehr geschlossene Juda den Vorrang," Aus diesen Sätzen folgt, daß David und Salomo, nach gemeiner Annähme, Könige aus dem Stamme Juda, eigentlich mythische Personen sind; denn da sie, immer nach der gewöhnlichen Annähme, vor dem Entstehen des Reiches Israel florirt haben sollen, so würde ja daraus folgen, daß erst nach dem Niedergange Juda's Israel in Flor kam. In Wirklichkeit aber verhält sich die Sache, wie aus Geiger's Bericht zu ersehen, umgekehrt. Von Israel heißt es ferner: ״Der Opferdienst mit Abgaben au Priester und Leviten steht machtvoll im Vordergrund". ״Juda, geht es dann weiter, ist sich selbst im Ganzen ein heiliger Stamm, es bedarf nicht einer besonders geheiligten Priesterkaste und will von priesterlichen Vorrechten nichts wissen". ״Seine ganze Gesetzgebung ist gegenüber der israelitischen entschieden reformatorisch, sie weiß nichts von mannigfaltigen Opfern und dem damit zusammenhängenden Fettverbote u. s. w." Neu ist allerdings, was über die Vorliebe der Jerobeam, der Jehu, der Ahab für jüdischen Opferkultus vorgebracht wird; vielleicht verdiente es doch einige Beachtung, daß in der jüdischen Ueberlieferung gerade Salomo als Begründer eines feierlichen Opferkultus, als der Erbauer eines herrlichen Tempels im judäischeu Jerusalem genannt wird; etwas muß ja wohl an dieser Ueberlieferung wahr sein; wenn ferner der Prophet fragt: ״wozu soll mir die Mannigfaltigkeit eurer Opfer", so gewinnt es fast den Anschein, als hätte Juda doch etwas von den ״mannigfaltigen Opfern" gewußt. Jndeß, der uns vorliegende Bibeltext ist ja, da so viele Frankel, Monatsschrift. XX. s. 9