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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 3 · p. Seite 128

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 3
Article
Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
Date
1871-01-01
Page
Seite 128 (sequence 9)
Language
German
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128 Der jerusalemische Talmud wieder aufzuwärmen; besonders die ״Zadokiten" sind sein Herzens- und Schmerzenskind; neuerdings hat er in einem Aufsatz über den jerusalemischen Talmud sie noch einmal in Parade aufmarschiren lassen und es verlohnt, da Geiger nun einmal besonders bei den christlichen Gelehrten als Talmudist, als ein gründlicher Kenner des jüdischen Alterthums gilt, der Mühe, einzelne der dort geäußerten Ansichten zu prüfen. Geiger lehnt seinen Aufsatz nach der jetzt beliebten Manier, die Sahne von gelehrten Werken abzuschöpfen und mit einigen ״Wenn und Aber," die die Selbstständigkeit bezeugen sollen, als Essay zu veröffentlichen, an die von Frankel edirte ״Einleitung in den jerusalemischeu Talmud" an. G. beginnt mit der gewiß richtigen und von der conservativen Theologie am allerwenigsten gelüugneten Behauptung, daß der jerusalemische Talmud eben auch nur ein Moment sei in der Entwickelung der jüdischen Lehre und deshalb nur im Zusammenhang mit allen ihn! vorauf gegangenen Erscheinungen des jüdischen Lebens begriffen werden könne. Aber er wendet diesen Satz als Tadel gegen Frankel, und da verstehen wir ihn nicht. Denn der Connex der Ereignisse bricht ja nirgends ab, führt ja immer weiter hinauf, und irgendwo müssen wir Halt machen, wenn wir nicht jede Abhandlung beim Ei der Leda, mit einer Schöpfungsgeschichte beginnen wollen. Frankel einen Vorwurf daraus zu machen, daß er sein Buch nicht begonnen hat mit בראשית ברא אלהים וכוי oder mit der Gesetzgebung am Sinai ist ja recht wissenschaftlich, denn sowohl die Schöpfung, als die Gesetzgebung sind Vorbedingungen zum jerusalemischen Talmud; aber im Allgemeinen ist es nun einmal nicht Brauch, den Zusanlmenhang soweit aufzuspüren, um, wie Geiger thut, die Ursprünge eines im fünften Jahrhundert nach Ehr. verfaßten Werkes bis um's Jahr 1000 v. Ehr. zu verfolgen. Jndeß Geiger thut doch sehr recht daran, denn gar zu leicht wären selbst recht aufgeklärte Köpfe geneigt, den Berichten aus den Büchern der Könige Esra, Nehemia, der Chronik u. s. w. im Allgemeinen Glauben zu schenken, sich aus ihnen die Entwickluug des Judenthums zu erklären. In diesen Jrrthum verfiel auch Frankel, und da er eine Geschichte der Mischnah bereits geliefert, so fiel er bei diesem neuen Werk sogleich mit der Thür in's Haus und begann

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