Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 8)
- Language
- German
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im Lichte Geiger'scher Hypothesen. 127 die Liste Derer, die mit Jakob nach Aegypten gekommen sind, auch den Machir, den Sohn Manasse's einschieben; dieser Name, vernmthet Geiger, sei ausgefallen, weil nach dem Bericht der Chronik Machir der Sohn eines aramitischen Kebsweibes gewesen sei; die Tendenz, die Wahrheit zu verschweigen, zu unterdrücken, zum größern Ruhm des jüdischen Volkes, wird auch hier als der Leitstern bei der Abfassung der Bibel hingestellt. Zwar stimmen die Zahlen dort auch nach dieser Emendation ebenso wenig wie früher; zwar scheint es uns nach unfern höchst latenhasten genealogischen Kenntnissen sehr schiver denkbar, daß der nach der Erhöhung Joseph's geborene, beim Eintreffen Jakob's in Aegypten ungefähr achtJahre alte Manasse damals schon einen Sohn Machir gezeugt haben sollte; aber selbst wenn wir alle diese Bedenken fallen lassen, so erweist sich diese überkluge Tendenzriecherei, wie Schorr bemerkt, schon dadurch als lächerlich, daß unter den Begleitern Jakob's auch Saul der Sohn der Kannaniterin figurirt. So flüchtig wird die Bibel von denen gelesen, die sie kritisiren wollen. Ebenso fühlt sich selbst Schorr gemüssigt, die Bibel gegen das ihr von Geiger angedichtete Verschweigungssystem in Schutz zu nehmen, wenn dieser annimmt: es hätte Gen. 49, 4 ursprünglich יצועי בלהה im Text gestanden, nur Reuben zu Liebe sei dieser Text geändert worden. Wir beneiden Geiger nicht um den poetischen Geschmack, der sich in einer solch rohen Herstellung des Parallelismus kund giebt. Aber was vermag er Schorr zu erwiedern, wenn dieser ihn fragt: welcher vernünftige Grund liegt wohl zu einer Umhüllung des Sachverhalts und zu einer Textentstellung für den Redakteur der Bibel vor, nachdem Gen. 25, 22 die Schandthat Reubens mit dürren deutlichen Worten war berichtet worden, ja nachdem an der urgirten Stelle selbst der erste Halbvers: Du hast bestiegen das Ruhebett Deines Vaters, deutlich genug auf den Sachverhalt hingewiesen hatte? Und so wie diese, so sind auch die übrigen Ausstellungen Schorr's nicht blos zumeist schlagend und uns widerleglich, sondern auch für die ganze Haltung des Buches charakteristisch. Seit den: Erscheinen dieses Werkes gegen die Bibel — denn gegen, nicht über die Bibel ist es geschrieben —, ist Geiger bemüht, fast in jeder Nummer seiner Zeitschrift den alten Kohl