Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 7)
- Language
- German
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126 Der jerusalemische Talmud sentlicher Inhalt die Zedokiten sind, folgende Bemerkung bei: ״Ich will es nicht lüugnen, daß ich mit Herrn Dr. Geiger in einigen Kleinigkeiten nicht tibereinstimme. Z. B. in Bezug ans den Zusammenhang der Saducäer mit den: Hause Zadok, ihren Gegensatz zu den Pharisäern, die sadncäische Halacha; alle diese Dinge sind noch nicht genügend erläutert und die Beweise sind nicht ausreichend, und manchmal übersteigen sie nicht den Grad schwacher Vermuthungen, so z. B. die Bemerkungen über צדיק und נדיב. Auf kleine Varianten in den Bibelübersetzungen, ob ein verbindendes Waw zu viel oder zu wenig steht, stützt er sich mehr als billig; in Wahrheit aber kann man aus dergleichen Dingen gar nicht schließen; bei einzelnen Varianten statuirt er eine bestinmrte Absicht und es sind nichts weiter als Jrrthümer und Schreibfehler." Aber, schließt Herr Schorr, und in diesem Lobe verläugnet sich nicht sein schneidender rücksichtsloser Humor: ״Dies und Dergleichen sind leichte geringfügige Dinge, und sie sind nicht fähig, den Werth dieses Werkes zu verkleinern". Welch eine Ironie liegt in diesem Tadel und in diesem Lobe! Nur in einigen Kleinigkeiten, nur in wenigen leichten Punkten divergirt Hr. Schorr; und diese Kleinigkeiten! was sind sie? es sind die Zadokiten, die alte und neue Halachah, kurz es ist die ganze Weisheit, welche Geiger selbst als Resultate seiner fünf und zwanzigjährigen Studien, als den Extrakt des ungefähr 500 Seiten starken Buches bezeichnete, und das Lob, ״diese geringfügigen Dinge können den Werth des Buches nicht verringern," diese Redensart vielleicht darauf berechnet, den Urtheilsschwachen über die Tragweite des Schorr'- scheu Verdikts zu täuschen, wie schmeichelhaft ist sie für den Verfasser! Ungefähr so klingt das Lob, als rühmte man einem Baumeister einen von ihm ausgeführten Bau mit den Worten: dieses Haus ist vortrefflich, nur die Zimmer taugen nichts. Schade auch, daß wir die glänzende Blumenlese von Geiger'schen Jrrthümern, welche Schorr auf mehreren Seiten zusammenstellt, aus Mangel an Raum nicht ausschreiben können. Auch die ״positive" Kritik, die allerhand Absichten in die Bibel hineindeutelt, nur um die einzige, wirklich vorhandene, die einen ungeschniinkten, wahrheitsgetreuen Bericht zu liefern, hinauszudeuten, kommt dabei sehr schlecht fort. Da will z. B. Geiger in