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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 3 · p. Seite 125

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 3
Article
Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
Date
1871-01-01
Page
Seite 125 (sequence 6)
Language
German
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im Lichte Geiger'scher Hypothesen. 128 den, daß der Tempel des jüdischen Glaubens nicht zur verfallenen Ruine geworden war, sondern daß es noch heute ist ein zwar etwas vernachlässigter, aber ein auf ehernen Säulen ruhender, unerschütterlicher Prachtbau. Es liegt also etwas Wahres darin, daß diese falschen, verfehlten, und darum vergänglichen Sonderbestrebungen vielfach mitwirkten bei der Erzeugung des Guten und Heilsamen, daß manche Einrichtungen des Prophetenthums, des Pharisäerthums, des Nabbinismus jünger sind als ihre Gegensätze eben als lebendiger Protest gegen die Steuerung. Es ist ja eine alte jüdische Lehre, daß das Böse um des Guten willen da ist; der Engel des Bösen muß widerwillig am Guten bauen und Amen sagen; aber Geiger sprach: ״dies Alles genügt mir rächt". ״Diese Anerkennung kann meine Zwecke nicht fördern; deßhalb muß die jüdische Geschichte revidirt werden, muß sie lernen auf denr Kopfe stehen". Ein ganzes Menschenalter beinahe widnret nun Geiger dieser Arbeit, welche mit der des Sisyphus eine frappante Aehnlichkeit hat; das Judenthunl ist eben alt, störrig, ungelenk und zur Producirung von Kunststückchen ganz und gar nicht geeignet. Der, welcher nun einmal für diese Nolle auf die Schaubühne getreten ist, spart keine Mühe. Aber so oft er dem Publikum sich produciren will, da mißlingt es und man sagt: Schade, daß eine so bedeutende Kraft zerschellen soll an dem Versuch des Unmöglichen, an der Tendenz, den Voltairanismus dem alten Judenthume aufzupfropfen. Der Jesuitismus der Aufklärung, der, in seinen Mitteln wenig wählerisch, die jüdische Geschichte so zustutzen möchte, daß sie den Beifall liberaler hauptstädtischer jüdischer Gemeindevorstände gewinnt, ist eben zu innerlich unwahr, als daß selbst die talentvollste Vertretung seine Schwächen verbergen könnte. Diese Schwächen sind so offenbar, daß selbst der Großmeister der Negation, daß selbst Schorr nicht umhin kann, sie anzuerkennen Z. Selbst dieser fügt der Uebersetzung des Kapitels der ״Urschrift", welches ״Resultate" überschrieben ist, und dessen we- *) Den meisten Lesern wird allerdings das Urtheil Sal. Munk's noch mehr iniponiren. Dieser äußerte sich beim Erscheinen der Urschrift: G. zähle zu den Autoren, die das Gras wachsen hören.

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