Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Stellung Joseph Al-Basir's in der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 4)
- Language
- German
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Joseph Al-Basir's in der jüdischen Religionsphilosophie. 117 daß ״der Gaonen und Karäer Beweisführung für das Dasein und die Einheit Gottes der Mutazila entlehnt sei", und dennoch wird jeder es anerkennen müssen, daß dem Werke Saadia's der urjüdische Charakter tief eingeprägt ist, daß sich darin wirklich viel Originalität kundgiebt, daß es umfassender, wenn auch nicht eingehender und gründlicher ist, als der gewöhnliche muslemitische KalSm und daß schon die Form und die Eintheilung seines Werkes einen Fortschritt aufweise gegenüber der dürren Schablone der alten Mutakallimin. Was ist nun in dieser Hinsicht von den! genannten Werke Joseph Haroöh's zu sagen? Wir wollen von den שאלות ששאל u. s. w. absehen, da sie keineswegs selbstständigen Werth haben, ihr Nutzen wohl lediglich darin besteht, daß sie als Ariadenfaden dienen können in dem durch Schreibefehler und Härte des Ausdrucks verdunkelten, durch mutakallimistische Kreuz- und Quergänge sehr verwirrten Labyrinthe des ספת נעימות und des מחבימת פתי. Wenn das Register der angeführten Bibelstellen den Kanon für die religionsphilosophische Bedeutung eines Werkes abgäbe, dann würden gerade diese שאלות den hervorragendsten Rang einnehmen — sonderbar genug, wenn diese muh an die חכמי המים gerichtet sein sollen! —, dann käme das מתכימת פתי an die Reihe, und das ספר נעימות träte erst jetzt aus dem Hintergründe hervor. Indessen sieht inan leicht ein, daß namentlich dem muslemitischen Kaläm gegenüber sich der jüdische nicht etiva dadurch höher gestellt wird, wenn man Eine Bibelstelle mehr für die Einheit und Einzigkeit Gottes, für feilte Erhabenheit über jeden Vergleich mit den Geschöpfen und dgl. anführt, als die Muslimen mit den Koranstellen es zu thun pflegen. Vielleicht dürfte ein ״Massvret" des Koran herausfinden, daß gerade diese Punkte im Koran viel häufiger hervorgehoben wurden, als in der heiligen Schrift. Auch die scharfe Betonung und Hervor- Hebung der Freiheit des menschlichen Willens gegenüber der göttlichen Allwissenheit wird den jüdischen Religionsphilosophen nicht von dem freisinnigen arabischen Mu'taziliten genügend zu sondern vermögen, sondern einzig und allein der kräftige Nachweis, daß die mosaische Offenbarung faktisch nicht abrogirt worden sei. Dies wichtige Moment darf in keiner jüdischen Religionsphilosophie fehlen, webet* in einer rabbanitischen, noch in