Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 12)
- Language
- German
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70 Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth. tragenden Berichtes gaben später zu manchen Betrachtungen Anlaß. So z. B. die Beibehaltung des fremdartigen Ausdruckes הין. Hillel, so erklärte man sich diese Erscheinung, habe aus Pietät oder religiösen Gründen den zwar veralteten, aber von seinenl Lehrer gebrauchten Ternrinus nicht mit anderen gebräuchlichen vertauschen wollen. Hieraus zog mau wieder die Nutzanwendüng שאדם חייב לומר לשון רבו. Beide, Erklärung und Nutzanwendüng fügte man zwischen die Differenz und das dieselbe aufhebende Factum ein. Von den zwei eingefügten Bestandtheilen hat sich in unseren Ausgaben die Nutzanwendung ganz, von der Bernerkung aber nur das dieser mit jener gemeinsamen Uebergangswort אלא, erhalten. Den merkwürdigsten Punkt bildet freilich der zweite Theil, das berichtete Factum. Hillel und Schammai, die größten tanaitischen Autoritäten (אבות העולם), haben nicht gezögert, ihre bis dahin mit aller Kraft verteidigten Ansichten, einer Aussage von zwei sonst gewöhnlichen Webern gegenüber, aufzugeben. Die Ausführlichkeit, womit das Factum erwähnt wird, drängte ebenfalls zu Betrachtungen. Wie kam es, fragte man einerseits, daß eine Differenz, in der Folge ohne den mindesten praktischen Werth, eine Differenz, von ihren Autoren selbst längst aufgegebeu, in die Sammlung rächt allein aufgenonrmen, sondern mit ausdrücklicher Beifügmig der betreffenden Autornamen, ausgenommen roorden war? Welche Absicht, fragte man andererseits, läge der peinlichen Genauigkeit zu Grunde, womit man die betreffenden Zeugen bezeichnet hatte? ״Weber vom Schutthore Jerusalem's"; wozu die Standes- und Ortsangabe? In beiden Punkten sah nian ethische Absichten verborgen. Die Beibehaltung des so umstandlichen Berichtes habe die Lehre zum Zwecke, einen einmal eingenommenen Standpunkt einer besseren Ueberzeugung, ohne Rücksicht, woher die Wahrheit komme, zum Opfer zu bringen. Haben ja die bedeutendsten Tanaiten ganz gewöhnlichen, unbedeutenden Menschen gegenüber so gehandelt! Diese auf zweifachem Grunde beruhende ethische Betrachtung wurde ebenfalls in die Edojothsammlung eingefügt. Unter zweifachem Grunde verstehen wir die zwei Faktoren, die in dem berichteten Factum in Betracht kommen, nämlich Schammar und Hillel einerseits und die Zeugen andererseits. Dies verdient darum besonders hervorgehoben zu werden, weil merkwürdig unsere Mischuah und Tosephtha rächt beide Fak-