Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 2 · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 2
Article
Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth
Date
1871-01-01
Page
Seite 68 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829402-2829405-2865623--13264-2865657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 Einiges über Ursprung, und Bedeutung des Traktates Edojoth. Ausgleichung früherer Differenzen enthält, eben so gut als an. die besprochene hätte angeknüpft werden können. Davon schon abgesehen, so entsteht die Frage, welche Tugend kann man darin sehen, daß eine Synode, auf Grund eines glaubwürdigen Zeu- ׳ genverhörs, Ansichten beseitigt, die die Autoren selbst, wenn sie mit dein Objekte des Zeugenverhörs bekannt gewesen wären, nie ausgesprochen hätten? Daß Maiinuni ebenfalls an diesem Punkte Anstoß nimmt, kann doch wahrlich kein Grund sein, es bei seiner sehr gezwungenen Erklärung bewenden zu lassen. Nun es ist wahr, Rapoport begegnet indirekt dieser Schwierigkeit, indem er vorschlägt, die gedachten drei Mischnajoth als aus ihrem natürlichen, ursprünglichen Zusammenhang gerissen und hierher versetzt zu betrachten (a. a. O.). Jndeß ist diese Beseitigung der Schwierigkeit nur eine scheinbare. Denn, selbst zugegeben, die betreffende Mischnah habe sich ursprünglich nicht speciell auf Mischnah 3, sondern vielmehr auf alle derartigen Mischnahjoth unseres Traktates bezogen; so begreift man noch immer nicht, wie so man in einer unter den bewußten Umständen stattgefundenen Erscheinung eine preisenswerthe, ja musterhafte Tugend erblicken konnte. Freilich muß man eingestehen, daß von dem Gesichtspunkte aus, von dem man früher den Traktat Edojoth betrachtete, der Rapoport'sche Ausweg noch der rationellste ist. Die Vermuthung Rapoport's, die Mischnahjoth 4, 5 und 6 habe ursprünglich nicht mit Mischnah 3 in Zusammenhangs gestanden, ist theilweise richtig. In der That haben die in Mischnah 5 und 6 niedergelegten Bemerkungen mit Mischnah 3 nichts zu schaffen. Ja, sie haben nicht nur nicht diese Mischnah speciell, sondern über- Haupt keine einzelne Mischnah, auch nicht, was Rapoport meint, irgend eine gewisie Mischnahgruppe im Auge. Sie finden, wie früher augedeutet, hier ihren Platz einzig und allein darum, weil ihre Anfangsworte, vielleicht weil auch ihre Fassung überhaupt formell denen der dritten Mischnah ähnlich sind. Wir wissen ja, daß solche Aeußerlichkeiten in der ersten Zeit ausschließlich die Bindemittel für die Gruppirung der Mischnajoth abgaben. Ganz anders verhält es sich mit der vierten Mischnah. Diese steht nothwendig im innigsten Zusammenhänge mit der dritten. Mischnah 3 gab eben zu jener Bemerkung, die Mischnah 4 ententhält, Anlaß. Es fällt nicht schwer, die Richtigkeit dieser Behauptung nachzuweisen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.