Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829405-2865623--13260-2865653- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth. Einfluß dieses älteren Gruppirungssystemes im Hintergründe verborgen ist. Fixirt man nun die eben besprochenen Punkte, so läßt sich die Bedeutung und Geschichte der auf der Synode zu Stande gebrachten Sammlung der Gesammthalachoth für und während der folgenden Zeit der Tanaimperiode folgendermaßen näher bestimmen. Die Sammlung bildete zunächst in den Schulvorträgen das Grundbuch. Der schwer zu beherrschende Stoffreichthum ließ bald ein allgemeines Bedürfniß nach einer methodischen Redaktion entstehen. Das hieraus hervorgehende Streben nach Befriedigung desselben fand dann in der bereits vorhandenen absichtslosen Redaktion Anhaltspunkte, die sogleich zum Muster einer mit Bewußtsein sich äußernden Ordnungsthätigkeit wurden. Dies der Ursprung der Redaktionsversuche. Doch anfänglich machten sich diese nicht von dem Grundtexte los; nur eine andere Stoffvertheilung wurde angestrebt. An ein Herausgehen außerhalb des gegebenen Kreises dachte man so wenig, daß man vielmehr, die neugewonnenen Bestandtheile, wie neugezogene Halachahconsequeuzeu und beleuchtende, oder erläuternde Anmerkungen zu dem Grundtexte, in diesen hineinbrachte. Die Sammlung war und blieb also ausschließlich das einzige, Gebiet, auf dein und innerhalb dessen die innere tvie äußere Ausbildirng der Halachah stattfand. Die nun so einzige Schatzkammer' für sänimtliche Halachoth hatte, wenn sie überhaupt einen bestimmten Namen trug, ebenfalls den alten, den diese aus der Synode erhalten haben mochte. Allerdings dürfte es schwer zu ermitteln sein, ob die Bezeichnung Edojoth ebenfalls aus dem Schooße der Synode hervorgegangen ist. An sich wäre es nicht unwahrscheinlich. Denn, wenn auch die bestimmten, bezeugten, allgemein gültigen Halachoth nicht gerade den größten, auch schwerlich den wichtigsten Theil des von der Synode angestrebtsn Zieles bildeten, so machte doch diese Halachahgattung in anderer Hinsicht das wichtigste Element aus. Waren diese Halachoth ja die Grundpfeiler des neuen Correctivs, abgesehen davon, daß sie wenigstens zum großen Theile wegen ihrer Sicherheit und Unantastbarkeit als die ältesten und daher ehrwürdigsten Bestandtheile der mündlichen Ueberlieferung in der Reihe der Halachoth die erste Stelle einnehmen mußten. Auch steht der Annahme nichts im Wege, daß man darum dieses Wort: