Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 3)
- Language
- German
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Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth. 61 schon indirekt, doch deutlich das Entgegengesetzte bezeugten, ohnehin die Annahnie nicht gut mit dem angestrebten Ziele vereintgen, daß man die Ueberlieferer in ihren Mittheilungen unterbrachen Hütte, um ihnen dann unzählige Male, so oft die In- Haltsähnlichkeit des Stoffes es verlangte, das Wort zu geben. Eüt solches Verfahren wäre nicht nur ganz unpraktisch gewesen, es würde nicht allein sehr viel Zeit in Artspruch genommen haben, sondern es setzt auch Planmäßigkeit bei der Verhandluirg und Aufstellung orientirender Gesichtspunkte voraus. Und gerade diese Voraussetzung ist nicht im Mindesten berechtigt. Wenn selbst das Bedürfniß nach systematischer Stoffvertheilung schon damals fühlbar gewesen wäre, so hätte man doch wegen der augenblicklichen Verhältnisse rächt gut arr eine Befriedigung desselben denken können. Dazu komrnt, daß das Bedürfniß sich erst später, beziehungsweise erst viel später und zwar nach und nach zum vollen Bewußtseüt entwickelte. In der synodalen Zeit hingegen findet man rricht die leiseste Spur davon. Die einzigen Ortentirungspunkte in dem Labyrinth der angehäuften Halachoth können nur die Namen der Uebelieferer oder Autoren gewesen sein. Insofern nun Anhaltspunkte als Ordnungsfaktoren angesehen rverden können, kann man von dem damals angehäufte'n Halachastoffe als von einer Sammlung reden. In diesem Sinne, aber auch nur in diesem, läßt sich der Traktat Edojoth als eine Samrnlung bezeichnen. Die Bezeichnung: ״Erste Mischna-Sammlung" verwechselt die Verhätniffe zweier grundverschiedener Zeiten und verkennt also den Geist einer geschichtlichen Periode, die wohl die wichtigste und merkwürdigste in der Halachahentwickelnng ist. Wenn die Verhältnisse der Synode nicht der Art waren, daß ihre Mitglieder augenblicklich ernstlich, wenn überhaupt, an Ordnungsversuche denken konnten, so verhinderte dies nicht, daß an dieselben schon kurz darauf die gebieterische Forderung herantrat, das Versäumte einzuholen. Die Wucht des ungeheuren Stoffes, der auf der Synode in einen! Grade wie nie zuvor angewachsen war,!nachte sich bald fühlbar. Denn drohte derselbe schon an sich die Ueberlieferungsträger zu erdrücken, so sahen sich die Schnlhäupter ihren Jüngern gegenüber in großer Verlegenheit. Das Zusammenhalten und Aufbewahren unzähliger Halachoth, die Lösung dieser Aufgabe, die ihnen selbst nur mit der