Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 Einiges über Ursprung und Bedeutung des Traktates Edojoth. Graetz (Geschichte, IV. 66. 2 p. 38) vermuthet in unserem Traktate die ״allerälteste Halachahsammlung." In welchem Sinne er diese Bezeichnung gebrauckt, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Ueberschrift der betreffenden Seite (p. 39): ״Erste Mischuah-Sammlung (Adojot)" läßt den Sinn errathen. Die unmittelbar auf jene Bezeichnung folgenden und dieselbe erläuterndeil Sätze würden allein nichts beweisen. Denn die in demselben enthaltenen kurzen charakteristischen Merkmale des Traktates passen, weil unziveifelhaft wahr, arlch auf eine Bezeichnung in ganz anderm Verstände. Unter Halachahsammlung versteht man gewöhn-!ich und versteht auch Graetz hier eine solche Santmlung von Halachoth, die aus dem Bedürfniß hervorgegangen ist, die zerftreuteu uitb daher nicht übersichtlichen Ueberlieserungselemente zum Zwecke der Uebersichtlichkeit und vorzüglich zu btefem Zwecke zusammenzustellen nnb ans diesen Elementen eine den ganzen oder Hauptinhalt unrfassende Sammlllug zu veranstalten. In diesem Sinne aber trifft in unserm Falle die Bezeichnung nicht zu. Wir haben oben gesehen, daß ganz andere Motive als codisicatorische oder schriftstellerische überhaupt bei der Entstehung unseres Traktates wirksam war. Nichtsdestoweniger jedoch war das zu Stande gebrachte Correctiv, dies kam: nicht gelällgnet werden, die geschichtlich allerälteste Halachahsaunnlung, freilich in einen: ganz andern Sinne. Indem man nämlich all die bestehenden Halachoth in der bekannten Absicht und mit den: gedachten Zwecke zusammenstellte, e n t st a u d v o u s e l b st eine vollständige Halachasammlung, und zwar in eurem solchen großen Umfange, wie ihm keine spätere, denen allen vorzüglich schriftstellerische Motive zn Grunde lagen, hatte noch haben konnte. Es ist nicht wahrscheinlich, doch schon die Synode sich ernstlich mit Ordnungsplänen, diesem unbedingten Merkmale einer Sammlungsunternehmung, beschäftigte. Wir sagen ernstlich; denn eine gewisse Ordmmg war mit der Art und Weise, wie die Synode ihre Aufgabe löste, nothweudig verbunden. Denn, indem die verschiedenen Ueberlieferer Halachoth mittheilten, die nicht von ein und demselben Gebiete, also nicht inhaltsverwandt waren, so gaben ihre Namen selbst das Bindemittel für das Aneinanderreihen der überlieferten bzw. mitgetheilten Gegenstände. Es ließe sich, selbst wenn die vorliegenden Ueberreste in Edojoth nicht, ob-