Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Das Erdbeben in den Tagen Usia's
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 556 (sequence 8)
- Language
- German
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556 Das Erdbeben in den Tagen Usia's. anschwillt und sich senkt wie der Strom Aegyptens?" Dieser Vers wiederholt sich im folgenden Kapitel (9, V. 5.) *) Der Vergleich mit dem Nil ist zutreffend. Eine der neuesten Theorien zur Erklärung der Erdbeben ist ja die Hypothese der unterirdischen Ebbe und Fluth. ״Ist das Erd-Jnnere flüssige wie im Allgemeinen nicht zu bezweifeln ist — schreibt Humboldt im Kosmos, IV S. 488 Anm. 10 — da trotz des ungeheuren ־ Druckes die Theilchen doch verschiebbar bleiben; so sind indem Erd-Jnnern dieselben Bedingungen enthalten, welche an der Erd- Oberfläche die Fluth des Weltmeeres erzeugen." Das Anschwelleu und Sichsenken des Wassers ist bei vielen Erdbeben beobachtet worden. 2) Wenn es int folgenden Verse (ib. 9) heißt: ״An jenem Tage lasse ich die Sonne am Mitlage untergehen, und lasse auf der Erde finster werden am Hellen Tage" — so erinnert das an die oben S. 249 besprochene jesajanische Schilderung, wo ebenfalls erst von dem ״Erzittern der Berget) und den *) Aus dieser Parallelstelle ist ersichtlich, daß das hier vorkommende כא1ר eine defective Form für כיאיור ist, wie ב^ל für יבו־ל. * ebenso wie daß נ<צלךי (nach dem K'thib) zusammmgezogen für ונ׳שקעדי eine Syncope wie בל für בעל. 2) In der bereits angeführten Schilderung des Erdbebens in Lissabon heißt es, daß die eindringenden Gewässer ebenso schnell zurückflossen, aber 3—41nal noch mit verminderter Heftigkeit wiederkehrten, so daß es klar war, daß der Boden des Meeres abwechselnd sich hob und senkte. Daß auf diese unterirdische Ebbe und Fluth Mond und Sonne Einfluß haben, ist eine Hypothese, deren ebenfalls Humboldt (1. e.) bereits Er- Mahnung thut. b) Es sei hier nachgetragen, daß zu dieser Stelle (Jes. 5, 25), Ewald (die Propheten des alten Bundes I, 201) das Richtige ahnt. Er sagt: Auf welche Geschichte im Reiche Juda diese Erwähnung gehe, ist bei der Kürze der Worte uns etwas dunkel, man kann z. B. an das große Erdbeben unter Uzzia denken (Amos 1. 1; Zch. 14, 5), wobei auch viele Menschen nmkommen konnten". Der Wahrheit so nahe, ist es unbegreiflich, wie Ewald, ihre Spur nicht weiter verfolgend, den Zusammenhang dieser Stelle mit dem sechsten Kapitel übersehen konnte.