Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 10 · p. Seite 436

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 10
Article
Biographie Agrippa II.
Date
1870-01-01
Page
Seite 436 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829388-2829399-2865441--13022-2865456
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

436 . Biographie Agrippa II. setzen, als ein solches Verfahren, das für ihn, als Günstling des Kaisers, noch dazu nicht die geringsten Schwierigkeiten darbot? Sein guter Freund Josephus allerdings, dem wir überhaupt in Bezug auf die Geschichte seiner Zeit nur da glauben können, wo er sine irs et stuäio erzählt, stößt immer in die große Posaune, wenn er eine derartige Handlung des jüdischen Fürsten zu berichten hat. Bei den vielfachen Quälereien, die die Juden von den Landpflegern, die nach Agrippa's I. Tode wieder nach Palästina geschickt wurden, zu erdulden hatten, bot sich dem jungen Mann häufig die Gelegenheit dar, sich die kostbare Volksgunst zu erwerben. Gleich ein Jahr nach dem Hinscheiden seines Vaters trat ein Ereigniß ein, bei dem er Fürsprecher für eine nach Rom gesandte Deputation der Juden war. Cuspius Fadus, der erste in der zweiten Procuratorenreihe, hatte nämlich angeblich im Aufträge des Kaisers verlangt, daß hinfort die hohenpriesterlichen Gewänder, die seit Vitellins* *) von den Juden selber aufbewahrt wurden, unter römischer Aufsicht in die Burg Antonia niedergelegt werden, und da er fürchtete, daß bei dieser Gelegenheit Unruhen ausbrechen könnten, hatte er den Statthalter von Syrien, Longinus, mit großen Truppenmassen nach Jerusalem berufen. 2) Natürlich wollten sich die Juden ihr verbrieftes Recht nicht nehmen lassen, und Fadus mußte nach vielem Sträuben zugeben, daß eine Gesandtschaft angesehener Männer zu Claudius geschickt wurde, rnn ihm die Entscheidung der Sache zu überlassen. Agrippa verwandte sich nun für diese Gesandten beim Kaiser, und Letzterer erließ ein Decret, in welchem er ausdrücklich sagt, daß er auf Agrippa's Verwendung den Juden gestatte, wie bisher, die Kleider der Hohenpriester selber zu verwahren. Er thue dies, wie es weiter heißt, weil er keiner Religion in seinem Reiche ') 108. Arch. XV, 11, 4. *) ibid. XX, 1, 1.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.