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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 8 · p. Seite 374

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 8
Article
Die moderne Cultur und das Judenthum
Date
1870-01-01
Page
Seite 374 (sequence 11)
Language
German
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374 Die moderne Cultur und das Judenthum. Millionen beherrschen. So rächt sich die Unwahrheit, auch des besten Zweckes so kann aus unscheinbarem Kein: die riesige Giftpflanze emporsprießen. Denn wie er die Sündenvergebung durch den Tod seines Messias verkiindet hatte, die Menschen aber in Angst um ihre späteren, nicht vergebenen Sünden geriethen, blieb seinen Nachfolgern in der Thal nichts Anderes übrig, als seine Fiktion fortzusetzen und sich imaginär von den Aposteln ein Recht der Sündenvergebung übertragen zu lassen, das diese selbst nie von sich behauptet hatten. Damit war die mystische Priestermacht der Kirche gegründet — um die Mittel ihrer Ausübung durste sie nicht verlegen sein." Und einer solchen Geistesknechtnng sollte die Welt die staunenswerthen Fortschritte unserer Cultur verdanken, hier sollten wir die Wurzeln der mühevoll errungenen Geistesfreiheit suchen, deren wir uns heute endlich erfreuen? ״Nein, mein Sohn, das neue Leben, das durch die Aden: dieses Säculums fließt, stammt nicht aus denr Christenthum. Die Deisten Englands, die zuerst Humanität, Sittlichkeit und Freiheit auf den gesunden Menschenverstand der Masse gründeten, hatten eine entschieden anti-christliche Tendenz, die Französische Eneyclopädie und Revolution, die Fahnenträger dieser Ideen auf denr Continent, suchten jene Religion sogar zu vernichten; die großen Denker und Dichter, die den deutschen Geist aus den Banden der Pedanterie und der Nachahmungssucht befreiten, standen dieser Lehre hart entgegen und fuf3te!1 auf einen: anderen Grunde — es ist denr Kenner der Geschichte unzweifelhaft, daß Aufklärung und Duldung im modernen Europa durch die Restauration der Wissenschaften gepflanzt sind. Tie theologischen Zänkereien und Absurditäten knickten bald die im fünfzehnten Jahrhundert aufsprossende Blüthe der Wissenschaft imb Kunst; erst als die in Folge der sogenannten Religionskriege geschwächte Menschheit widerwillige Muße hatte, das Werk jenes großen Jahrhunderts wieder aufzunehmen, da begannen Hmnanität und Menschenliebe im Herzen der Völker Wurzel zu fassen. Nun kommen Eure Frommen, greifen nach den Früchten dieses Baumes, dessen Gedeihen sie aus aller Macht gehindert haben und rufen: Siehe da, der Segen unserer Lehre!" Die Lobredner der christlichen Cultur, welche selbst beit Aufschwung des modernen Judenthums denr Einflüsse des christlichen Geistes zuschreiben möchten, übersehen in ihrer Begeisterung, daß das weströmische. Reich, daß Byzanz nicht die mindeste Regenerativ!: durch das Christenthum erfahren, daß die Kirche in: Orient zur Ueberwindung der Barbarei Nichts beizutragen vermocht hat, und daß die Culturaufgabe des Christenthrnns sich iuuner nur

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