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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 8 · p. Seite 373

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 8
Article
Die moderne Cultur und das Judenthum
Date
1870-01-01
Page
Seite 373 (sequence 10)
Language
German
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Die moderne Cultur und das Judenthum. 373 lande^ in Palästina schlug gerade um diese Zeit die entgegengesetzte Richtung ein, es bildete feilte Eigenthümlichkeit noch schroffer und einseitiger auch um dem Andrängen der fremden, seine Existenz gefährdenden Cultur siegreich zu widerstehen. Die Männer der großen Synode betrachteten es als ihre höchste Aufgabe, die religiöse Uebung in das tägliche 'Leben des Volks einzuführen, einen Zaun um das Gesetz zu ziehen und die Kenntniß der religiösen Satzungen durch Lehre und Forschung zu verbreiten. Die alexandrinische Religionsphilosophie hat den Geist des Judenthums nicht befruchtet und ist als ein exotisches Gewächs spurlos untergegangen, während die palestinensische Fortbildung der Lehre dem Judenthum ein dauerndes Gepräge aufgedrückt hat. Das Judenthum hat in dieser gefahrvollen Zeit י seine Rettung nicht in der Aneignung fremder Elemente und der Entäußerung seines besonderen Charakters, sondern in einer selbstständigen Entwicklung von innen heraus gesucht und gefunden. Und wie das Judenthum unter dem Schutze des Ceremonialgesetzes seinen Bestand gesichert hat, so hat andererseits ein späterer Reformator, der sich seiner Ziele klar bewußt war, -als er die neue Lehre den Hellenen zugänglich machen wollte, den Zaun des Gesetzes kühn und entschlossen eingerissen und zugleich dem Gesetze selbst eine andere Gestalt gegeben. Beide Seilender Pauli irischen Reform stehen freilich im engsten geistigen Zusammenhange und auch ohne Rücksicht auf das Heidenthum hätte früher oder später die eine die andere erzeugen müssen. Allein es zeigt immerhin von Paulus' eminenter Geisteskraft, daß er die Consequenzen seines Stand- Punktes mit solcher Energie zu ziehen verstand, daß er, um das neue Evangelium vour Judenthume unabhängig zu machen, das charakteristischste Kennzeichen desselben abzustreifen wagte. Die von ihm eingeleitete Umgestaltung der neuen Lehre hat aber auch den Schwerpunkt der religiösen Macht aus dem Volke in einen geistlichen Stand verlegt und jene Hierarchie begründet, deren äußerste Tendenzen sich eben vor unseren Augen entwickeln. ״Wer war es, der sie in die Nacht des Mittelalters, in die Grauen des fanatischen Bruderkriegs stürzte, wer ist der Fels, auf dem die Zwingburg der Römischen Kirche sich erhebt, die noch immer die Menschen bedroht, mit der die Völker, mögen sie es sich nicht verhehlen x) noch eine ernste Abrechnung zu halten haben? Paulus, nicht Petrus, wie sie rühmen, hat die stolzen Pfaffen eingesetzt, die noch immer das Gewissen von ') Das Buch ist schon im Jahre 1868 erschienen.

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