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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 8 · p. Seite 368

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 8
Article
Die moderne Cultur und das Judenthum
Date
1870-01-01
Page
Seite 368 (sequence 5)
Language
German
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868 Die moderne Cultur und das Judenthum. hältnissen seine Zuflucht nach England genommen hat, geht dort in Nolh und Elend unter und hinterläßt einen jungen, Hilflosen Knaben, welcher von einem edlen, christlichen Geistlichen menschenfreundlich ausgenommen und mit aller Sorgfalt in dem neuen Glauben erzogen wird. Der Pflegevater glaubt in seinem ihm auf so seltsamen Wege zugeführten Zoglinge einen von der Vorsehung selbst bestimmten Sendboten zur Bekehrung seines Stammes zn erblicken und sucht demgemäß den Knaben für die Lehren des Christenthums zu begeistern. Aus Rücksicht gegen seinen Pflegevater bemüht sich dieser, den Widerwillen zu überwinden, welche so manche Lehren des Evangeliums ihn: einflößen. Nach einem längeren Aufenthalte in Paris, wo der Jüngling unbefriedigt von den ihm eingeprügten Glaubenssätzen sich einem wüsten Lebenswandel in die Arme wirft, kehrt derselbe siech rmd zerrüttet in das Haus seines Pflegevaters zurück und wird hier von einem hitzigen Fieber ergriffen, von dem er sich nach langer Krankheit nur sehr allmälig zu erholen vermag. In der durch die Krankheit erzeugten Abspannung und Muthlosigkeit giebt der sorgsame Pflegevater « ihm wiederum das Evangelium an die Hand, um׳ den gedrückten und schwergebeugten Jüngling aufzurichten und dem erwünschter: Berilfe zuzuführen. Widerstandslos und lebensuberdrüssig willigt der Jüngling in die Pläne seines Pflegevaters und unternimmt nach' vollendeter Genesung eine Reise in seine deutsche Heimath, wo er in dem Hause seines Oheims, eines ehrwürdigen Rabbi, unter falscher Maske den ersten Versuch seiner apostolischen Thätigkeit zu entwickeln beabsichtigt. Von hier aus richtet er an seinen Pflegevater eine Reihe von Briefen, in welchen er diesen von dem Verlaufe seiner Thätigkeit benachrichtigt. Allein anstatt seine jüdischen Verwandten dem Christenthum zuzuführen, wird er selber durch die genauere Bekanntschaft mit dem jüdischen Wesen, durch die Beobachtung, mit welcher Befriedigung die werkthatige Religionsubung die Bekenner des jüdischen Glaubens erfüllt, und durch die von seinem Oheim ihm zu Theil gewordene Belehrung und Aufklärung von seinem Wahne geheilt und. kehrt endlich als begeisterter Anhänger des Judenthums zu seinem Pflegevater zurück. Der hohle, phrasenhafte, hypermoralische Dünkel, welcher den mangelnden Glauben bei ihm ersetzen sollte, kann sich gegenüber der richtigen Erkenntnis; von dem eigentlichen Wesen des Judenthums nicht behaupten und muß sich in seiner ganzen Nichtigkeit offenbaren. Vor den kerngesunden und den realen Verhältnissen angepaßten Grundsätzen, welche der scharfdenkende Rabbi über Religion und Moral mit selbstbewußter Klarheit ausspricht, muß das künstliche, mit Mühe zusammenconstruirte System des

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