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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 8 · p. Seite 367

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 8
Article
Die moderne Cultur und das Judenthum
Date
1870-01-01
Page
Seite 367 (sequence 4)
Language
German
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Die moderne Culiur und das Judenthum. 367 durch Verkennung und Herabsetzung dieser allerdings eigenthümlichen Religionsanschauung genährt werden. Wir müssen es daher als ein freudiges Ereignis; begrüßen, daß das postume (?) Werk eines anonymen Verfassers, welch es Gustav M e i n h a r d t unter dem Titel ״I ü d i s ch e Familie npapiere, Briefe eines Missionairs" vor einiger Zeit verösfentlicht hat, das Verhältnis; des Judenthums zur modernen Civilisation zum Gegenstände einer eingehenden Besprechung macht, welche mit einer glühenden Liebe zum Judenthume das tiefste Verständniß des jüdischen Geistes verbindet und eine Erkenntnis; der modernen EulLurbestrebungen zeigt, wie sie nur ״dem mit der ganzen Bildung seines Jahrhunderts ausgerüsteten" Manne gu eigen ist. Die tiefste und allseiligste Welterfahrung paart sich bei dem Verfasser mit einer gründlichen historischen und philosophischen Bildüng und einer Begeisterung für das Judenthum, die oft in dithyrambischer, fast prophetischer Redeweise zum Ausdruck kommt. Wir wollen freilich nicht leugnen, daß der Verfasser dieser Briefe zuweilen in Gefahr ist, beit entgegengesetzten Fehler zu begehen und dem Judenthume zu Liebe die Schattenseiten des Christenthums noch dunkler zu zeichnen, als sie in Wahrheit sein mögen. Der Verfasser bedient sich dem christlichen Humanismus gegenüber, dessen geringschätzige Beurtheilung des Judenthums in der inneren Haltlosigkeit seiner eigenen dogmatischen Ueberzeugungen ihren wahren Grund hat, einer Etwas grausamen Kur, indetn er dttrch eine Steigerung des im Christenthume liegenden Princips seine Schwäche und Unnatur darzuthun sich bemüht. Kann man ihm eine derartige Uebertreibung jedoch gar zu sehr verargen, wenn man bedenkt, mit welchem Unmuthe den unbefangenen Beobachter das Verfahren jener Leute erfüllen muß, die für die Aufrechterhaltung ihrer religiösen Gesinnungen nirgendswo eine Stütze zu finden wissen, als in der Verunglintpfung eines anderen religiösen Standpunkts? Der Verfasser ist weit davon entfernt, irgendwelchen Glaubenshaß oder Fanatismus zu predigen, er ist vielmehr erfüllt von echter Humanität und Menschenliebe, wenn er auch zuweilen seinen beißenden Sarkasmus gegen die Hohlheit und Unwahrheit des gegnerischen Standpunkts richtet. Die scharfgespitzten Pfeile seiner Rede sollen nur die Anmaßung jener Sophistik vernichten, welche ihre schwankende Stellung dadurch verbergen möchte, daß sie das Judenthum darzustellen versucht als eine von der modernen Cultur, welche angeblich durch das Christentöum eingeleitet wird, längst überwundene Religionsanschauung. Die Einkleidung, welche der Verfasser für seine Darstellung gewählt hat, ist in Kurzem folgende. ‘י Ein deutscher Jude, der in zerrütteten Ver-

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