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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 8 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 8
Article
Halachah-kritische Forschungen
Date
1870-01-01
Page
Seite 361 (sequence 7)
Language
German
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Halachah-kritische Forschungen. 361 heit am nächsten kommt, ohne Kenntniß der Quellen, die auf die Mischnah-Nedaktion einen überwiegenden Einfluß hatten, für ״rabbinische Sophistik" halten müßte. Nach einem Amora soll unsere Mischnah hauptsächlich die uns aus einer Boraitha (a. a. O. 72b. und 73 s.) bekannte Differenz zwischen R. Juda und R. Josä hinsichtlich des ehegesetzlichen Charakters eines Proselyten zum Objekte haben, und zwar in dem Verstände, daß ein specieller Punkt der Differenz in erster Reihe, während diese im weiteren Sinne erst in zweiter Reihe stehe. Denn der Schwerpunkt wird auch im babykonischen Talmud in כל gesucht, das auf □גיורת פחותה מבת ג שני hindeuten soll. Natürlich muß der Wortlaut der Mischnah sich dam! vielfache Gewalt gefallen lassen. בקהל bedeute nun nicht mehr: Gemeinde überhaupt, sondern: Priesterklasse; unter אסורים habe man vorzüglich eine einzige Klasse, die der Proselyten nämlich zu verstehen, und demzufolge unter ,וה בור nur גר בממורת. Mit einem Worte beinahe jeder Ausdruck im Einzelnen und die ganze Haltung der Mischnah im Allgemeinen scheinen gegen diese Auffassung zu protestiren. Nur tendenziöse Tadelsucht kann diese oder eine dieser ähnliche Auffaffung so einfach und natürlich finden, daß sie sich die Geburtswehen dieser Auffassung nur mit der Kurzsichtigkeit des babylonischen Talmud erklären kann, die die auf der Hand liegende innige Einheit unserer mit der Hillel'schen Mischnah übersehen hätte. Selbstverständlich würde man, wenn das Gegentheil hier in den Kram gepaßt hätte, nicht versäumt haben, über Willkür und Verdrehung zu klagen. Und doch hätte man dann wenigstens einen bedeutenden Schein von Recht für sich. Indessen ist es in der That nur Schein, daß Haltung und Ausdruck gegen die besprochene Auffassung seien. Um die Genesis unserer Mischnah zu verstehen, müffen wir zu den Quellen in der Tosephthah zurückkehren. Einer genauen Betrachtung bieten sich daselbst einige wichtige Erscheinungen dar. Erstens trifft man daselbst von der ersten Hillel'schen Mischnah nur ein Bruchstück in einer von der ursprünglichen abweichendeil Fassung und überdies mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß die betreffende Halachah ein Lehrsatz des R. Me'ir sei. Der in der Mischnah lautende Schlußsatz גרי וחרורי. ממורי ונתיני שחוקי ואסופי כלם מותרים לבא וה מה tritt uns in der Tosephthah in folgender Fassung entgegen: גרי וחרורי ואסופי וכל האסורים לבא בקהל

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