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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 8 · p. Seite 360

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 8
Article
Halachah-kritische Forschungen
Date
1870-01-01
Page
Seite 360 (sequence 6)
Language
German
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360 Halachah-kritische Forschungen. den Charakter von Freigelassenen (משחרין לו שפחה). Durch diese Wendung ist die Prinzipienfrage auf ihren früheren Standpunkt zurückgebracht. Um diese zum Abschluß zu bringen, sieht sich der Talmud, da der letzte concrete Fall als nicht entsprechend besunden wurde, nach einem andern um. Ist auch, so lautet nun die Frage, nach R. Juda ein Eheverbindniß zwischen ägyptischen Proselyten unerlaubt (ורכווחיה מצרי לא ישא מצדית)? In der Hin- Weisung auf eine, von R. Juda selbst mitgetheilte Nachricht, in der eine solche Ehe ausdrticklich als erlaubt erklärt wird, findet endlich die eigentliche Frage ihre Erledigung dahin, daß in ר׳ יהודה אוסר nur das Verbot der Vermischung der verschiedenen Bestandtheile und nicht der Individuen ein und desselben Bestandtheiles liege. Aus dieser Auseinandersetzung geht unwiderlegbar hervor, daß der jerusalemische Talmud in dem ersten Theile unserer Mischnah die Feststellung des ehegesetzlichen Verhältnisses zwischen den außerhalb der Gemeinde stehenden Bestandtheilen sieht. So sehr aber auch eine unbefangene Betrachtung des Wortlautes für diese Auffassung spricht, so liegt doch dem babylonischen Talmud nichts ferner als diese. Die Gründe hierftir finden sich indirekt in den Fragen, die daselbst (a. a. O. 74s. und d.h beim vergleichenden Ueberblick der ersten zwei Mischnajoth gestellt werden. Vor Allem ist es der mit dem letzten Satztheile der Hillel'schen Mischnah gleichlautende Anfang unserer Mischnah, an dem Anstoß genom. men wird. Wozu die Wiederholung? Die Zurechtlegung desselben, wie sie im jerusalemischen Talmud statt gefunden zu haben scheint, reicht in der That nicht aus. Denn selbst das כל unserer Mischnah enthält, genau genommen, kein neues Momsirt. Auch in dem כולה des Schlußsatzes der ersten Mischnah, das die Reihe der namentlich aufgezählten zehn Bestandtheile schließt, ließen sich, wie in unserem כל, die übrigen in der Mischnah nicht genannten אסורים finden. Die mit dem Schlußsätze differirenden Ansichten R. Juda's und R. Elasar's könnten füglich unmittelbar auf diesen folgen. Wozu also die unnöthige Wiederholung? Die Mischnah muß daher, so wird gefolgert, etwas Neues, Specielles im Auge haben. Aber Was? Wie bereits bemerkt, werden mehrere Lösungen versucht, von denen aber uns nur eine hier interessiren kann. Dieselbe ist darum so merkwürdig, weil man sie, indem sie in Wirklichkeit der Wahr-

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