Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 4)
- Language
- German
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335 RecensMen.! derselben Geistesrichtung entspringende Bestreben, die biblischen Berichte durch fade rationalistische Umdeutungen ׳zu verflachen. Der Verf. hätte in Erwägung ziehen muffen, daß die moderne Bibelexegese selbst in ihren rücksichtslosesten Vertretern schon längst eine Jnterpretationsweise aufgegeben hat, welche noch auf dem Standpunkte der Aufklärungsperiode des vorigen Jahrhunderts steht und einst in den Wolfenbüttler Fragmenten großes' Aufsehen erregt hat. Unserem Geschmacke sagen Deutungen, wie die von dem Untergange Sodom und Gomorrhas durch vulcanische Eruptionen oder von der raschen Einnahme Jerichos, versinnbildlicht durch das Einstürzen seiner Mauern, nicht mehr zu. Wir wollen es ferner dahingestellt sein lassen, ob es selbst von dem freiesten Standpunkte ans für den Schulunterricht in der biblischen Geschichte angemessen sei, biblische Erzählungen," wie die von der Schöpfung des Weibes und dem Verhalten des ersten Menschenpaares im Paradiese wiederholentlich als Allegorieen zu bezeichnen. Welcher Gattung von Bibelkritik aber soll die Aeußerung angehören,' das Hohelied sei als ein Protest gegen die Polygamie aufzuzufassen? Doch wir wollen die Besprechung des biblischen Theiles, obschon wir noch manches Erwägenswerthe vorzubringen hätten, beschließen und uns zur Darstellung der jüdischen Geschichte wenden. Hier treten uns leider an manchen Stellen so unverzeihliche Irrthümer entgegen, daß wir es itft' Interesse des Verf. halten, darauf aufmerksam zu machen. Wir wollen nur die׳ auffallendsten hervorheben und unbedeutendere Fchler übergehen. Was hat der Vers, sich dabei gedacht, wenn er unmittelbar an die Darstellung des Trihäresions der Pharisäer, Sadducäer und Essäer, die der Kabbala, wie es scheint, als einer gleichzeitigen Erscheinung anschließt? — Mögen auch, wie unter Anderen Munk behauptet, manche Elemente der kabbalistischen Denkweise aus der Geheimlehre des Essenismus ihren Ursprung genonnnen haben, so füllt doch unzweifelhaft und unbestritten die eigentliche Ausbildung der Doctrin in eine viel spätere Zeit und verdankt nicht unbedeutende Bestandteile der Berührung mit der neuplatonischen Philosophie. Der Verf. freilich erklärt die Kabbala einfach als eine fremde Verbindung orientalischer Glaubenssätze mit jüdischen Lehren . . — Die Fürsten der Gefangenschaft, priricäs de‘ la cäptiVitö; in Judäa residiren zu lassen- und Rabbi Juda 16 Saint zürn Resch-Galuta zu machen (p. 106), ist doch wohl arg geüug. Der Vers, läßt die Juden aus Spanien von den Westgothen 536 vertreiben, anstatt zu erzählen, daß sie 612 zur Taufe gezwurrgen wurden. Gebirol muß sich von dem Verf. nicht nur einen Nanrenswechsel