Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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384 RtzcenstMM.! ligionsunterricht im Gegensätze zu dem vor alter, Zeitein:. Hauptgewicht auf die Erlernung wer biblischen Geschichte legt, so geschieht dies doch wohl deßhalb, weil wir in ihr einen Ersatz suchen für die ausgebreitete Bib.elkenntniß iw früherer Zeitauf welche wir jetzt leider zu verzichten gezwungen׳ sind... Vielleicht ist es dem Herrn Verf. gelungen, in, dieser Beziehung günstigere Resultate zu erzielen, und für diesen Fall könnten wir seine Darstellung als Erläuterung der aus den Quellen selbst erlangten Kenntniß noch hingehen lassen. Berücksichtigen wir jedoch den allgemeinen Stand unseres jüdischen Religionsunterrichts, so würden wir noch das letzte Wiittel wirksamer Belehrung aufgeben, wollten wir unserer Schuljugend ein Buch an. die Hand geben, welches fast Nichts enthält als Neflectionen, wie sie der Lehrer vielleicht im Anschlüsse an die Geschichtserzählung entwickeln kann, die aber nie und nimmer die einfache und schlichte Erzählung der Thatsachen selbst verdrängen dürfen. Mein das ist vielleicht ein pädagogischer Mißgriff, den aufzudecken uns weniger obliegt. Bedenklicher und das kindliche G.emüth verletzend erschien uns jedoch der Geist, in welchem׳, der Verf.. die biblischen Geschichten zu reproduciren pflegt. Hier äußert sich überall eine so kühle und refervirte Haltung, als ob der Verf. es mit seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung nicht vereinigen könnte, die, naiven und anmuthigen Erzählungen der Schrift in ihrer kindlichen Einfalt wiederzugeben. Es scheint fast, als ob Herr Astruc fürchtete, die vorgeschrittenen Geister unseres Jahrhunderts könnten in seine kritischen Fähigkeiten Mißtrauen setzen, wenn er nicht seine geistige Ueberlegenheit, welche der: vulgären Bibelglauben überwunden hat, jeden Augenblick documentiren würde. Wir wüßten, nicht, wie der Verf. sonst dazu käme, die Schöpfungsgeschichte z. B. mit folgenden Worten einzuleiten: ״Die hebräische Familie erzählte, sich, daß aur Anfange" rc. Oder einige Zeilen weiter: ״Den hebräischen Glaub«.nslehren gemäß hört Gott nach der Schöpfung nicht auf, die Welt 511 regieren." ״Gott, so sagt die Bibel, die heilige Sammlung der Hebräischen Glaubenslehren, hat ihm eingeblasen einen Geist des Lebens." ״Die Bibel zeigt uns die Schöpfung dauernd sechs Tage oder sechs Perioden." Wir mögen die Beispiele nicht mehren, können aber unsere Ueberzeugung nur dahin aussprechen, daß unserem Gefühle die einfache Wiedergabe der eigenen Auffassung noch gerathener erschiene, als die durch die Worte ״so sagt die Bibel" oder ähnliche Ausdrücke fortwährend geäußerte Zurück- Haltung. Nicht minder unangenehm berührt in dem Büchlein das unerquickliche,