Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen. 333 Fragen anzuregen, deren genügende Beantwortung auf dieser Entwicklungsstufe geradezu unmöglich ist. Sicherlich wirkt der Lehrer bei einer derartigen Behandlung seines Gegenstandes den von ihm selber verfolgten Zwecken entgegen. Wir müssen zu unserem Bedauern gestehen, das; der oben bezeichnete Grundriß der jüdischen Geschichte sich in der That eines solchen Fehlers schuldig macht. Wir sind überzeugt, daß es in der Absicht des Herrn Verfassers keineswegs lag, der Wirksamkeit des Unterrichts in der biblischen Geschichte irgendwelchen Abbruch zu thun; und doch wäre seine Behandlungsweise geeignet, Folgen dieser Art herbeizuführen. Wir sind, wie gesagt, weit davon entfernt, die wissenschaftliche Freiheit selbst in der Auffassung der Bibel von vornherein zu beschränken. Allein derartige Untersuchungen müssen vor dem wissenschaftlichen Publikum geführt werden, dürfen aber nicht in ihrer Unfertigkeit in einem Kinderbuche Eingang finden. Wir können daher nach sorgfältiger Prüfung den Sturm des Mißfallens und der Entrüstung nicht ganz unberechtigt finden, welchen die Schrift in Frankreich erregt hat. Schon zu der vom Verf. beliebten Form der Darstellung können wir nufere Zustimmung nicht geben und müssen dieselbe als eine für den vorliegenden Zweck verfehlte bezeichnen. Allerdings ist das Büchlein lesbarer und interessanter geschrieben, als dies zumeist bei geschichtlichen Schulbüchern der Fall zu sein pflegt. Allein gerade darin liegt unserer Ansicht nach der Fehler, da dieser Vorzug durch sehr große Nachthnle auf anderer Seite erkauft werden mußte. Das ganze Büchlein nämlich, und vorzüglich der Theil, welcher die biblische Geschichte enthält, ist in einem so raisonnirenden Tone gehalten, daß für die eigentliche Geschichtserzählnng fast kein Raum mehr übrig bleibt. Daß diese Methode nun der Altersstufe angemessen sei, welche der Verf. seinem eigenen Geständnisse nach bei diesem Theile der Geschichte im Auge hatte, will uns durchaus nicht einteuchten. Wir möchten das Kind sehen, welches aus dieser Darstellung z. B. ein anschauliches und lebhaftes Bild vom Leben der Patriarchen zu gewinnen im Stande wäre. Hier muß doch vor Allem das stoffliche Interesse vorwiegen, und gerade darauf hat der Verf. keine Rücksicht genommen. Freilich beruft sich Herr Astruc in der Vorrede darauf, er habe durch seine Darstellung nicht die Lectüre der heiligen Schrift selbst überflüssig machen wollen. Wir glauben nun, daß auch von den bisherigm Erzählern keiner dieses Ziel gerade an ge strebt habe, das zu erreichen einem Sterblichen auch kaum geUngeu möchte. Diese Mühe Hütte sich Herr Astruc also ruhig ersparen können. Wenn aber der heutige Ne-