Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Halachah-kritische Forschungen
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 5)
- Language
- German
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802 Halachah kritische Forschimgen. ment dann am meisten Schwierigkeiten, wenn die Mischnah mehrere Halachoth in Eine zusammenfaßt. Für Zeitgenossen, die durch und durch mit den Quellen vertraut waren, reichten die Winke, die in den wörtlich herübergenommenen Phrasen lagen, hm, in ihrer Erinnerung den ganzen Zusammenhang lebendig wach zu rufen. Demjenigen aber, der bei der Ermittelung des Sinnes auf den Mischnahtext allein angewiesen ist, bleibt, trotz ausgezeichneten Commentaren, das Structnrverhältniß des Textes meistentheils verborgen. Ein merkivürdiges Beispiel dieser Art bietet folgende Mischnah. עבר עבירה שיש בה שגי לאוין אמרוהו אומד אחר לוקה ופטור ואם לאו לוקה ומתרפא וחוזר ולוקה (Makkoth, 22 b). Der Sinn ist, nach Maimon's richtiger Auffassung (Hilchot Synhedrin 17, 4) Folgendes: ״Die Geißelung für mehrere Uebertretungen, auf die diese Strafe steht, kann, gleichgültig, ob Eine oder mehrere verbotene Handlungen die Ursachen sind, in Einem stattfindeu, wenn der Schuldige wenigstens drei Hiebe mehr, als die für Eine Uebertretung bestimmte Anzahl aushalten kann. Im andern Falle aber wird jede Uebertretung zu verschiedenen Zeitpunkten bestraft." Letzteres ist natürlich für den Schuldigen insofern nachtheilig, als derselbe für jede Uebertretung die volle auf ärztliches Gutachten ihm auferlegte Geißelung erhält, während ihm im ersteren Falle, unter Umständen, ein großer Theil der Strafe erlassen wird. Diese Gesetzesbestinrmung enthält, wie sich bald zeigen wird, unstreitig die Mischnah. Fraglich aber ist es, ob die Worte dieser Auffassung ganz entsprechen. In der Mischnah ist ausdrücklich von mehreren Uebertretungen in Folge Einer verbotenen Handlung die Rede; die Auffassung aber macht Keinen Unterschied zwischen Ursache und Ursache. Sie constatirt die Statthaftigkeit der gleichzeitigen Bestrafung mehrerer Uebertretungen überhaupt. Außerdem ist die Nedaktion ungenau. Das Prinzip der gleichzeitigen Bestrafung, das doch vor Allem erst fest stehen muß, ehe die Bedingungen dessen Anwendung mitgetheilt werden können, und das nach der obenerwähnten Auffassung in der That den eigentlichen Kern der Mischnah bildet, erscheint in der Redaction als etwas Nebensächliches, als allgemein Bekanntes. Wäre dies nicht der Fall, so müßte an der Stelle des Bedingungssatzes אמדוהו אומד אהד, die kategorische Gesetzesform אומד׳; אומד אהד stehen. Endlich wäre