Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Halachah-kritische Forschungen
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 4)
- Language
- German
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Halachah-kritlsche Forschungen. 301 Folge, führt nicht ganz zum Ziele. Solange nicht eine bedeutende Anzahl solcher einzelner kritisch vergleichender Arbeiten einem Lösnngsversuche zu Anhaltspunkten dienen, wird die hervorragendste Capacität in manchen wichtigen Einzelnheiten fehl gehen. Versuchen wir es, vorläufig einen kleinen Beitrag zu solchen Vorarbeiten zu liefern. I. Die Klage über den schlechten Zustand, in dem sich der Text des jerusalemischen Talmud befindet, ist unstreitig eine ganz begründete. Die Behauptung, aber, daß auch dessen Stil und Construction über alle Maßen dunkel seien, beruht, insofern diese in Rücksicht auf den babylonischen Talmud aufgestellt wird, auf einem leicht begreiflichen Jrrthum. Constructionenund Stil dieses Lstztern würden ohne Raschi und die anderen aus dessen Schule hervorgegangenen Commentare noch größere Schwierigkeiten bieten. Denn die Diskussionen im babylonischen Talmud sind neben ihrer bündigen Fassung, die nicht im geringsten von der des jerusalemischen Talmud übertroffen wird, größer, complicirter und subtiler. Nur Raschi und, noch mehr, die von der Kindheit an überlieferte Auffassung des Textes, die jede noch so bedeutende Lücke unbemerkt ausfüllen, lassen den babylonischen Talmud, besonders die am fleißigsten gepflegten Traktate geebnet erscheinen. Daß dieser, das Talmudstudium sehr erleichternde und fördernde Umstand auch seine Schattenseiten hat, davon wird sich ber unbefangene und selbstständige Forscher öfter überzeugt haben. Die in's Blut und Fleisch übergehende überlieferte Textesauffassung steht dem Streben nach voraussetzungsloser Behändlung nur zu oft hinderlich im Wege. Gilt dies schon dem Talmudstudium überhaupt, so ist dies besonders und in höherem Grade mit der Mischnah der Fall. Denn zu ihrer außerordentlich kurzen und bündigen Fassung kommt noch das Monrent hinzu, daß die Redaktion bestrebt war, die aus den Quellen gezogenen Resultate so viel als möglich in den Vorgefundenen Ausdrücken wieder zu geben! ein Streben, das uns bekanntlich bis 31t einem gewissen Grade auch im Maimon's Codex entgegentritt. Diese Eigenthümlichkeit bereitet dem Einblicke in das Funda-