Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Halachah-kritische Forschungen
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 3)
- Language
- German
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300 Halachah-kritische Forschungen. nensischen noch dem babylonischen Amoraim Vorgelegen hätte? Wie wäre es, wenn nachgewiesen wäre, daß nicht nur etwaige spätere Zusätze, sondern auch fundamentale Bestandtheile der Tosephtha in den amoraischen Lehrhäusern unbekannt gewesen wären? Unterfundamentalen Bestandtheilen verstehen wir solche Partien, die uns die Halachah in ihrer ursprünglicheren Form aufbewahrt haben, in der sie der letzten Mischnah-Redaktion zu Grunde lagen und auf deren äußere Gestalt sie einen entscheid enden Einfluß ausgeübt haben. Was bliebe dann, fragen wir, von dem Ausgangspunkte und Endergebniß der eben erwähnten Auseinandersetzung übrig? Mit andern Worten: Wie wäre es, wenn man die Gewißheit hätte, daß unsere Tosephtha erst nach Abschluß der Talmudenvon einem Sammler redigirt worden sei, dem unter andern mehreren Tosephtha-Sammlungen auch eine sehr alte authentistischere oder wenigstens derartige Bruchstücke zu Gebote gestanden, die den Amoraim unzugänglich geblieben wären? Könnte dann von unserer Tosephtha als von einer Sammlung R. Chija's oder R. Oschijah's oder einer Verschmelzung der von diesen veranstalteten Sammlungen die Rede sein? Und in der That glauben wir Beweise liefern zu können, nicht nur daß unsere Tosephtha, sondern auch daß unser Siphra und Siphre in der gedachten Zeit und Weise entstanden sind. Ja, bei den letzten zwei kommt noch der Umstand hinzu, daß ihre Sammler auch die damals bereits vorliegende Redaction der babylonischen Talmud-Diskussionen, wenn auch nicht immer mit gleichem Glücke, benutzt haben. Diese Entdeckung ist das Resultat kritischer Vergleichungen einer nicht unansehnlichen Anzahl Mischnajoth mit den auf sie bezüglichen Stellen in den eben erwähnten Sammlungen. Ohne gerade schon jetzt dieses Resultat als unumstößlich ausgeben zu wollen, sind wir jedoch der festen Ueberzeugung, daß die endgültige Entscheidung über diese Fragen allein solchen Vergleichungen Vorbehalten ist. Kritische Untersuchung und Rekonstruktion der in der Halachah- Literatur zerstreuten fragmentarischen historischen Nachrichten sind unstreitig unentbehrliche Hülfsmittel, aber allein durchaus nnzureichend, eine befriedigende Lösung derartiger Probleme herbeizuführen. Auch der bei weitem zuverlässigere Weg, das Übersichtliche Sichten und Ordnen des Halachahstoffes nach zeitlicher