Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Halachah-kritische Forschungen
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 2)
- Language
- German
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Halachah-kritische Forschungen. 299 Einfluß zu kennzeichen. Es bleibt daher bei allgemeinen Umrissen, in denen dann, genau besehen, mehr die Eigenthümlichkeit der betreffenden Persönlichkeiten als das Wesen der Schöpfungen gezeichnet sind. Freilich machen Forschungen, wie sie in den Werken varko Hamischnah und Mebo Hajeruschalmi (Hodegetica in M., Introduc. in T. hierosol.) niedergelegt sind, hierin eine Ausnahme. Ihr Hauptmotiv ist gerade die Darstellung der innern Enkwickelung der Halachah in ihren wichtigsten Abschnitten. Aber bei ihren großen Vorzügen haben sie doch auch ihre Schwächen. Es ist wahr, die reichhaltigen Resultate, die in denselben angetroffen werden, haben ungemein viel zur Klärung und Aufhellung der bis dahin so spärlich beleuchteten Periode beigetragen. Auch macht die Darstellung einen imponirenden Eindruck; denn sie wird von einer großen nüchternen und gesunden Belesenheit getragen, wie sie nur ein langjähriges wissenschaftliches Studium sich aneignen kann; eine nicht alltägliche Erscheinung seit sehr geraumer Zeit. Aber eine genauere Betrachtung einiger Partien entdeckt gar manche unsichere und schwankende Punkte, stößt auf manche Behauptung, die einen scharffixirenden Blick nicht aushält. Der Umstand, daß solche Stellen gerade elementare Fragen zum Gegenstände haben, zeigt am deutlichsten, wie weit man noch von dem Zeitpunkt entfernt ist, in dem man die Erörterungen über die Grund- und Angelbegriffe auf diesem Gebiete als abgeschlossen betrachtenkönnte. Ein einziges, aber bezeichnendes Beispiel der auch in den besprochenen Werken herrschenden Unsicherheit wird an dieser Stelle genügen. In Mebo Hajeruschalmi wird in einer weitläufigen Auseinandersetzung (Fol. 22 a—27 b) die Erscheinung besprochen, daß die in beiden Talmuden vorkommenden Beraithoth sehr oft von den Parallelen in der Tosephtha-Sammlung mehr oder weniger abweichen. Das Endergebniß dieser Untersuchung ist Folgendes: In der Amoraim-Epoche haben mehrere Tosephtha-Sammlungen bestanden; unsere Tosephtha aber fei eine Verschmelzung zweier von R. Chija nnd N. Oschija, doch von einander unabhängig, veranstalteter Sammlungen. Hierin sollen, wie andere befremdende Erscheinungen, auch die eben erwähnten Abweichungen ihren Erklärungsgrund finden. Me wäre es aber, wenn fest stände, daß unsere Tosephtha-Sammlung weder den palästi-