Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 6)
- Language
- German
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Recensionen. 283 stehenden Bücher und ihre Namen fest, so wird man begreifen, daß der Name Mechiltha, welchen der älteste Nlidrasch zum 2. Buche jetzt führt, durchaus nicht auf denselben Rang der Anciennität zu stellen ist, welchen die Namen Sifra und Sifre einnehmen, daß er überhaupt mit ihnen in gar keine literargeschichtliche Verbindung gebracht werden darf. Es lag ursprünglich gar keine Veranlassung vor, für den Midrasch zunr 2. Bliche einen besonderen Namen zu bilden, sowenig wie sich für die Midraschim zum 4. u. 5. Buche besondere Namen herausgebildet haben. Wenn nun nach dem Abschlüsse des Talmuds ein besonderer Name für den Midrasch zilm 2. Buche auftritt, so hat man diesen: keine weitere Bedeutung beizulegen, als ein so später Name für ein so altes Buch ansprechen darf. In der That ist es auch gar nicht einmal. eil: Eigenname: מכילתא (von כול) heißt weiter nichts als etwa Kompendium. Dieselbe Bezeichnung wird auch für andere Schriften und Sammlungen gebraucht, so daß die Alten von mehrereit Mechiltha's sprechen, die keineswegs alle denselben Inhalt hatten. Erst im Laufe der Zeit ist der Name Mechiltha ständige Bezeichnung für den Midrasch zum 2. Buche geworden, vielleicht in Folge des Bestrebens, ihn mit einem Ausdruck rasch von den übrigen Sifre zu unterscheiden. Dann hat Man späterhin den bloßen Titel aus Unkenntniß seiner Entstehnng für literärgeschichtlich wichtiger gehalten, als er gewiß jemals hat sein wollen. Diese Erscheinung ist demnach selbst ein Pendant zu dem, was Herr F. auf S. 70 über den verwirrenden Einfluß von Titelblättern sagt. Aus dem Gesagten folgt zugleich, daß wir nicht gesonnen sind, selbst dem Beisatz di R. Jsmael, mit welchem der Titel Mechiltha geschmückt ist, besondere Wichtigkeit beizulegen. So gewiß es Thatsache ist, daß R. Akiba und R. Jsmael jede ihre eigenthümliche Doktrin entwickelten, und zwar ursprünglich nicht auf halachischem, sondern auch auf agadischem Boden (worüber anderweitig das Nähere): so gewiß ist es, daß sämmtliche biblische Midraschim, die uns vorliegen, Bestandtheile sowohl aus der Schule R. Akiba's, wie aus der R. Jsmael's enthalten, dergestalt, daß keiner dieser Midraschim den ausschließlichen Namen eines dieser Schulhäupter an der Spitze führen darf. (Und grade die Mechiltha enthält unseres Erachtens einen Nest des unzweifelhaftesten Akiba'scheu Einfltlsses, was hier nur beiläufig bemerkt sei.) Uebrigens hat man es schon früher mit der Autorschaft R. Jsmael's nicht so gar ernst genommen. Juchasin, den Herr F. selbst anführt (S. 50), hält diese Autorschaft für