Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 5)
- Language
- German
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282 Recenstonen. wie man im Mittelalter vom Doctrinale, als vom Lehrbuch schlechthin sprach, ohne eines Beisatzes, worüber denn das Lehrbuch handele, zu gedenken. Der Beisatz בי רב ist wahrscheinlich jüngeren Alters, als der Ausdruck ס0דא; er drückte nur aus, was doch jeder wußte, daß nämlich das Buch das Schul buch bedeuten sollte. Denn darüber, daß ״ בי רבSchule" bedeutet und mit dem Alltornamen רב gar Nichts zu thun hat, sollte man heute nicht mehr zwei ganze Kapitel (2. und 3.) zu schreiben nöthig haben. Ganz folgerichtig nannte man nun dem Buche (d. h. denr 3ten) gegenüber alle übrigen Bücher insgesammt שאר ספרי oder ספרי דבי רב. Allmälig wurden dann diese Bezeichnungen, welche ursprünglich nur für die biblischen Bücher selbst galten, auf die dazu gehörigen Midraschsammlungen übertragen, was nicht auffallen kann. Noch im Mittelalter gebrauchte man für das 3te Buch und für den dazu gehörigen Midrasch denselben Ausdruck, nämlich תירח כרעים, während wir heute darunter nur den Midrasch, nicht aber das biblische Buch zu verstehen pflegen. In ganz ähnlicher Weise haben sich schon sehr frühe die Be- Zeichnungen Sifra und Sifre von den biblischen Büchern selbst abgelöst und sind zu Titeln für die entsprechenden Midraschim geworden. Beiläufig gesagt, läßt sich für diese Darlegung eine Stütze in dem R. Tam (s. Landshuth, Amude hoab. und Jakob b. Meir) zugeschriebenen Pijut יציב פתגם finden. Es heißt dort: יודעי הלכתא ומתניתא ותוספתא ספרא 1ספ ך ין. Hier kann man deutlich sehen, daß unsere Bücher schlechtweg als das Buch und die Bücher bezeichnet werden. Würde der Beisatz debe Rab sich auf einen Autor beziehen, oder würde sich auch nur dazu der talmudische Ausdruck ספרי wie ein 8tatu8 cönstructus verhalten (zu welchem immer debe Rab hinzuzudenken wäre), so hätte der Dichter offenbar nicht so, wie er gethan (]ספרי) schreiben können. Was nun den begrifflichen Umfang des Wortes ספרי betrifft, so umschloß es, wie schon angedeutet worden, die ältesten Midraschim zu sämmtlichen biblischen Büchern mit Ausnahme des zum Dritten gehörigen, für welchen der Name zuerst und besonders geprägt worden war. Hiernach ist in der ältesten Relation über diese Bücher Synh. 86a der Ausdruck Sifre auch auf die Mechiltha, welche nicht namentlich aufgeführt ist, auszudehnen, was übrigens schon von älteren Autoritäten, wie man sieht, auch von dem Verfasser des erwähnten Pijut angedeutet, neuerdings von Frankel bemerkt und nunmehr von F. durch weitere Beispiele erhärtet worden ist. Hält man nun diesen Entwicklungsgang für die in Rede