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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 6 · p. Seite 270

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 6
Article
Gedalja, Sohn Achikam's, Dauer seiner Statthalterschaft und Datum seines gewaltsamen Todes
Date
1870-01-01
Page
Seite 270 (sequence 3)
Language
German
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270 Gedalja, Sohn Achikam's, Dauer seiner Statthalterschaft überall ausgesucht und gehetzt unrb. ״Unser Erbe ist den Feinden zugewendet, unsere Häuser Frenrden. Unser Wasser müssen wir um Geld trinken, unser Holz kommt auf unserem Halse um Tausch heim.') Jünglinge müssen die Mühle tragen, und Knaben straucheln anr Holze (das sie zusammenschleppen müssen). Sklaven herrschen über uns und Niemand befreit uns von ihrer Gewalt." — ״Wir werden verfolgt, abgehetzt, keine Ruhe ist uns vergönnt. Mit Gefahr unseres Lebens müssen wir unser Brod Bringen vor der Hitze der Wüste. Unsere Haut ist wie ein Ofen geschwärzt, zusammengezogen von der Glnth des Hungers. Fürsten werden an ihren Händen ausgehängt, das Ansehen der Vornehmen wird nicht geschont. Verschwunden sind Greise (Räthe) von den: Platz der Volksversammlung, Jünglinge von der Gesangstätte" a). Auch dieser traurige Zustand muß einige Zeit gedauert haben, um Gegeitstand elegischer Klage werden zu können. Einen unwiderleglichen Beweis dafür, daß noch eine Zeitlang nach der Zerstörung Judäer im Lande und zwar, au3 den Städten verbannt, auf Trümmern, in Höhlen und Bergesklüften gehaust haben, die noch die Hoffnung hegten, das ganze Land in Besitz zu nehmen und frei darin zu wohnen, diesen Beweis liefert eine Rede des Propheten Ezekiel. Um diesen Beweis in aller Schärfe zu führen, muß ich ein wenig ausholen. Am Tage der beginnenden Belagerung Jerusalems hatte dieser Prophet die Weisung erhalten, kein Wort der Weissagung zu verkünden, vielmehr ״zu verstummen" trotz der verzehrenden Ungeduld der Exulanten, den Ausgang zu erfahren und die Zukunft enthüllt zu sehen. Er sollte so lange schweigen, bis ein Flüchtling aus Jerusalem ihin die Trauerbotschaft voni Untergang des Landes und des Volkes bringen würde. In Folge dessen verhielt er sich schweigend vom zehnten Monate des nennten Jahres bis zur Zeit, als ein Flüchtling ihm die traurige Kunde brachte: ״Die Stadt ist eingenommen." Von dieser Zeit an setzte er seine ') Threni 5, 4 nach der Vcrsabtheilnng der LXX. 2) Einige Exegeten nehmen mit Recht an, daß dieses Klagelied, mag es von Jeremia oder einem Anderen herrlihren, in der Zwischenzeit gedichtet wurde.

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