Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Erdbeben in den Tagen Usia's
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Erdbeben in den Tagen Was. 243 ״Als düs ganze Volk einst ein hohes Fest feierte, zog der König priesterliche Kleidung an und ging in den Tempel, um auf dem goldenen Altäre des Herrn Weihrauch darzubringen. Da ,der Hohepriester Azarjas, der von achtzig Priestern umgeben war, ihn hieran hindern wollte, — ihm vorstellend, daß ihnr das Opfern nicht erlaubt sei, sondern nur den Priestern aus dem Geschlechte Aaron's — und auch die anderen Priester ihm sämmtlich zuriefen, er möge sich aus dem Tempel entfernen, und nicht gegen die Gesetze Gottes sündigen, da gerieth der König in Zorn, Und drohte ihnen mit dem Tode, falls sie ihn nicht gewähren lassen würden. Inzwischen entstand ein gewaltiges Erdbeben, der Tempel spaltete sich, hellglänzender Sonnenschein strahlte herein, und fiel dem Könige in's Angesicht, so daß derselbe sofort von einem Aussatz befallen wurde. Auch vor der Stadt, in der Gegend, die den Namen E r o g e führt, barst der Berg, und die westliche Hälfte wälzte sich vier Stadien weit fort, und kam bis an den östlichen Gebirgstheil zu stehen, so daß dadurch die Wege und Lustgärten des Königs ganz verschüttet wurden. Sobald die Wester bemerkten, baß der König am Gesichte mit dem Anssatze behaftet sei, machten sie ihn aüf diesen Unfall aufmerksam, und befahlen ihm, als Unreiner die Stadt zu verlassen. Der König, voller Schaur über das ihm widerfahrene Mißgeschick und dadurch vollständig gedehmüthigt, fügte sich diesem Befehle und ertrug sein elendes und bejammernswerthes Geschick als eine gerechte Strafe für seinen Uebermuth und seine Gottlosigkeit. Er lebte eine Zeitlang außerhalb der Stadt zurückgezogen als Privatmann, währenddeß sein Sohn Jotham die Regierung führte; alsdann starb er vor Kummer und Unmuth über das Begangene im achtundsechzigsten Jahre seines Lebens nach zweiundfünfzigjähriger Regierung. Er wurde ausnahmsweise in seinem Garten begraben". Die Quellen, aus welchen Josephus diese Erzählung geschöpft hat, sind mehrere. Für das Hauptfactum, Usia's Ein- 16*