Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zwei Conjekturen, das biblische aschmanim und das talmudische qonam
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 2)
- Language
- German
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Zwei Gonjetturcn, das biblische אשמנים und das talmudische 233 .קונם Bedeutung: ״straucheln und fallen". ״Wir strauchelten am Hellen Mittag wie in der Dämmerung (und sielen nieder) in Heilteinpclix wie Sterbende". 2) Bekanntlich wußten die Talmudisten selbst nicht mehr, was die Bezeichnungen קונם קונח קונם und ähnliche Ausdrücke fiir Gelübde, Nasireat und Promissionseide ursprünglich bedeuteten. R'Jochanan nahm an, es seien frentdsprachliche, in das jüdische Leben eingebürgerte Wörter, sein Antagonist Simon b. Lakisch dagegen: es seien geflissentlich von den Weisen veränderte hebräische Elemente (b. Nedarim p. 10a): כינויין ר׳ יוחנן אמר לשון נכרים הן. ר״ש לקיש אמר לשון שברו להם חכמים• Nun kann kein Zweifel darüber sein, daß נזיק נזיח פויה willkürlich veränderte Formen für נדיר־, eben so חרק re. für חרם, so wie שבותה für שמעה sind. Das liegt auf der Hand, und in sofern ist Sinion b. Lakisch's Ansicht die richtige, daß man geflissentlich diese Variationeit eingeführt habe, um nicht das eigentliche Wort mit dem dabei gebräuchlichen Gottesnanten לחי zu gebrauchen. Aber daß קונם eine Veränderung für קרבן sein soll, will nicht einleuchten. In diesem Punkte scheint N'Jochanan Recht zu haben, daß קונם קונה קונם fremdsprachliche Elemente sind. Aus welcher Sprache mögen sie entlehnt sein? Zunächst müßte man an das Griechische denken, welches seit Alexander's Siegeszügen und noch mehr in der Zeit der Diadochen immer tiefer in Judäa eindrang und selbst Hebräismen und Aramäismen verdrängte. Nun findet sich eine interessante Stelle veim Scholiasten des Aristophanos zu Aves 5, 20: Rhadamanthys, der gerechte König von Kreta, soll zuerst den Brauch eingeführt haben, daß man nicht bei den Göttern, sondern bei der Gans, dem Hunde, dem Bocke und Aehnlichem schwören soll: Xeyetai, de avrov (Padajiav&vv) 7mon01׳! ovdiva iäv oqxovg notelffdai xam twv demv, n/.i' bjivvvai xsXevaai %ijva xal xvva xal xqcöv xal 7/a ofioia. Bekanntlich pflegte Sokrates aus religiöser Skrupulosität nicht bei den Göttern, sondern ich %bv xvva ״beim Hunde" zu schwören. Klingt nicht קונם, besonders קונם und קונה ähnlich wie xvva und yjjvu? Daß griechische Wörter in Judäa verstümmelt wurden, hat nichts Auffallendes, und ein Glossarium Hebraeo-Graecum würde eine große Beispielsammlung