Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beleuchtung einiger Stellen in Exodus 3, 1-15, 22
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
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Beleuchtung einiger Stellen in Exodus 3, 1—15, 22. 197 die Berichterstattung, ehe sie zur Auseinandersetzung der Ereignisse des britteu Abschnittes schreitet, eilten Rückblick auf den zweiten Abschnitt ivirft. Vers 9 und 10 geben den Eindruck dieses Rückblickes wieder. ״Der von Mose und Ahron so hartnäckig geführte Krieg hat zwar keine günstige Resultate in seinem Gefolge; doch dies war göttliche Bestimmung; die Erfolglosigkeit war ja vorher verkündet. Kein Wunder daher, daß, trotzdenl Mose und Ahron muthig, gewissenhaft und pünktlich den göttlichen Auftrag ausgeführt haben, man am Ende des Abschnittes noch keinen Schritt weiter gekommen ist". Der Darstellungston des dritten Abschnittes ist ein ganz merkwürdiger. Die Vorkehrungen und Vorbereitungen auf jene denkwürdige Nacht und die großartigen, wenn auch wenigen Ereignisse des Befreiungsmomentes bilden das Objekt dieses Abschnittes. Man sollte daher erwarten, daß die Darstellung so manche freudige Scene, an denen es doch im Augenblicke der Befreiung aus dem hundertjährigen Drucke nicht fehlen konnte, mit Wärme und Lebhaftigkeit schildern werde. Man sollte glauben, daß ein solcher Zeitpunkt am meisten für das kräftige Hervortreten des berichtenden und betrachtenden Subjektes geeignet wäre. Eine in ihrem Ehrgefühle tiefgekränkte, empörte Nation, die so lange zusehen mußte, wie ihre Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, ohne auch nur eine Aeußerung des Unwillens wagen zu dürfen, erblickt auf einmal ihren Tyrannen gedemüthigt, gebeugt und niedergeworfen, sie um die Gunst flehen, doch schleunigst von der ihr so lange vorenthaltenen Freiheit Gebrauch zu machen. Giebt es für einen nationalen Geschichtschreiber ein erhebenderes Moment? Sollte er dann nicht schon unbewußt seinen freudigen Empfindungen einen entsprechenden Ausdruck leihen? Keine Spur von all diesem ist in der Darstellung zu entdecken! Es herrscht vielmehr in derselben von Anfang bis.