Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über den Ursprung und die Bedeutung des Ausdruckes "min" im babyl. und jerus. Talmud
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 4)
- Language
- German
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166 Heber den Ursprung und die Bedeutung die traditionellen Gebote beobachteten, ist wahrscheinlich, haben sich aber in Folge der eingetretenen Reibungen zwischen ihnen und den Rabbaniten, Deutoriten (Matth. 23, 2—32) non denselben dispensirt, so daß dem Talmud: מלעיג על דברי חבמים, Verhöhnung der Lehren der Chachamim, Gittin 57 a., als ein Charakterzug der Christen gilt. Daß die strengeren Judenchristen vor! ihren Glaubensgenossen heidnischer Abstammung die Beobachtung des ganzen Gesetzes forderten, die milderen aber das ganze Gesetz nur für Christen jüdischer Abstammung bindend erklärteir, für die heidnischer Herkunft die sieben uoachidischen Gesetze für genügend bezeichneten, hat für den vorliegenden Gegenstand weniger Bedeutung. Interessanter jedoch ist, daß es ein hauptsächliches Herzensanliegen derselben war, daß ״I s r a e l als ganzes V o l k v o r den Heiden in die ch r i stliche Gemeinde ausgenommen" werde (Apok. 14, 4; Ritschl a. a. O. 141). Den konträrsten Gegensatz zu dieseir bilden die Gnostiker, die den höchsten Gott der Liebe von dem Demiurg, Weltschöpfer, der nach Marcion als schonungsloser Gesetzesvollstrecker gerecht, aber nicht gut, unterscheiden. Die Mitte bildet das Heidenchristenthum oder der Paulinismus, der im Gesetze die Ursache der Sünde erblickt, das Judenthum als Erzieher auf Christus betrachtet uird im steten Denken und Glauben an Christus die Aufgabe der Menschheit findet. Das lose Band, das diese drei Hauptzweige, die sich wieder in unzählige Neste verzweigen, verbindet, ist die Anerkennung Jesu, ,nutatisl mutandis freilich. Ein anderer Punkt, in welchem das christliche Trihäresion zusammentrifft, ist die tppologische Deutung der alttestamentlichen Verordnungen, Cermonien und Einrichtungen, sowie einiger Prophezeiungen: ward auch Moses und die anderen Propheten inspirirt von dem Demiurg, so konnten sie doch durch das ihnen einwohnende von dem der Demiurg keine Kenntniß hat, m^steris veritatis, ignorante Demiurgo, verkündigen (vgl. Jrenäus II, 14) und so gleichsam der Demiurg und seine Anhänger, die Juden, mit den eigenen Waffen geschlagen wurden. Wenn also Berach. 7 s und Paräll. berichtet wird, ein Main aus der Nachbarschaft des Rabbi Josua Sohn Lewi's habe den letztern mit Citaten gequält, so kann dies sogar ein Gnostiker sein. Bemerkenswerth ist, daß dieser I. S. L., der sich