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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 3 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1870-01-01
Page
Seite 142 (sequence 3)
Language
German
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142 Recensionen. Verfasser vortrefflich gelungen, inden: er nicht nur die zeitgenössischen Quellen mit vielem Geschick benutzt, sondern auch mit sicherem historischen Blick die allgemeinen sittlichen Zustände.jener Zeit berücksichtigt. Er erinnert daran, wie damals der Ort, wo die christliche Welt die Wohnung der Heiligkeit und den Spiegel der Sittlichkeit zu fiuben wähnte, sich in einen: ähnlichen Schlamm von Verworfenheit und Ausschweifungen ersäufte, wie wir das seiner Zeit von Tiberius ltub dem kaiserlichen Non: gesehen. Papst Alexander VI., welcher selbst in seinen: Palaste Turniere für Venusritter anstellte und Preise für beit Tapfersten aussetzte, Gelage für die großen Prälaten seines Reiches anrichtete, bei de!:en mait mit der: sogenannter: heiliger: Jungsrauen den gröbsten Unfug trieb, war, wie feine Söhne, die Gebrüder Borgia, ein Vertrauter der galanten Krankheit geworderr. Zur Vervollständigung dieser Charakteristik hätte der Verf. auch au jene berüchtigte Tochter dieses Papstes Lucrezia Borgia erinnern können, welche bekanntlich von ihren: Genrahl Giovarrrü Sforza, Fürstei: vor: Pesaro, verlassen wurde, weil dieser sich nicht mit ihrem Vater und ihren Brüdern in ihrer: Besitz theilen wollte. So sah es in Norn aus, als die Franzosen in Italien einrückter:. Es geschah dies bekanntlich ohne Schwertstreich, ihr Marsch glich mehr einer Promenade, alle lebensur:d liebeslustig, in einem zum Genuß einladmden Lande; an ihrer Spitze ein junger Körrig, ein lockrer Gesell, der in seir:em Portefeuille alle Frauenzimmer, rr:it denen er Liaisons angeknüpft, mit höchst eigner Hand abconterfeite, und der aller Wahrscheinlichkeit nach nicht eirr, sondern sechs oder sieber: Mal angesteckt gewesen ist, ohrre jemals ordentlich curirt zu werden. Seine Söldner verübten viehische Wollüste u. s. w. Außerden: bildete Jtalier: Ende des 15. Jahrhunderts den Zufluchts- und nächsten Vereinigurrgspunkt der Flüchtlinge mehrerer Länder; was Wunder also, wenn diese Krankheit immer größere Dimensionen annahm und sich rapid über ganz Europa verbreitete, zumal die Disposition dazu überall längst vorhanden war! Auf diese Weise führt der Verf. den endgiltigen Beweis, daß es eine grundlose Beschuldigung sei, wenn man die unglücklichen, aus ihrem Vaterlande vertriebenen Juden für die Verbreitung dieser Krankheit verantwortlich machen wolle. Die Möglichkeit, ja sogar die Wahrscheinlichkeit giebt er zu, daß sie auf der Seefahrt in den enge!:, überfüllten Schissen sich die Keime des Hungertyphus zugezogen haben, der dann auf dem Lande, wo sie ebenfalls nur Entbehrung und Verfolgung traf, sich mit Schnelligkeit verbreitete und die Orte ansleckte, in die sie kamen; so waren die furchtbaren Verheeru1:gen, welche diese pestartige Krankheit, die

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