Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 3 · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1870-01-01
Page
Seite 141 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829388-2829392-2864977--12661-2865034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recensionen. 141 abgeborgten Hülle 51t entkleiden und sie btoßzustellen. Und dieses Verdienst ist es vor Allenz was eine Besprechung des D1\ Finckenstein^schen Buches auch in diesen Blättern angemessen erscheinen läßt. — Bekanntlich datirt inan die Entstehung der Lustseuche aus jenen denkwürdigen Tagen, in welchen Amerika entdeckt, die Marannen aus der pyrenäischen Halbinsel vertrieben wurden, und der französische König Carl YIII. ganz Italien mit seinen siegreichen Truppen durchzog. Man hat sich vergebens bemüht, den Ursprung jener Krankheit zu ermitteln; theils politische, theils rein merkantilische Interessen, wie der Vrf. schlagend nachweist, versuchten zu beweisen, daß sie von Columbus imb seinen Gefährten aus der neuen Welt mit herübergebracht worden sei; nationale Feindseligkeiten machten abwechselnd Franzosen, Spanier unb Italiener dafür verantwortlich, end-!ich bot sich auch dem Judenhaß dadurch willkommene Gelegenheit, sein Müthchenan den Marannen zu kühlen. So unwahrscheinlich es auch klingen mochte, daß Märtyrer des Glaubens der Lüderlichkeit und der Ausschweifung, welche ja nach Aller Zugestündniß allein eine Entstehung der Krankheit möglich machte, ergeben gewesen wären, so wird diese Fabel dennoch bis auf unsere Zeit erzählt und durch wissenschaftliche Beweise zu stützen versucht, Noch vor 2 Jahren ist im 2. Band der Neäieal Times von einem George Gaskoin, Surgeon, Chevalier of the order of Christ, diese Behauptung aufrecht erhalten worden, und wir sind Herrn Dr. Finckenstein recht dankbar für die Abfertigung, welche er diesem Autor zu Theil werden läßt. F. ist der Ansicht, daß diese Krankheit in Spanien, in Frankreich, in Italien schon existirt habe, ehe noch an Amerika, an die Marannen und an die (Svo'bmmg Neapels gedacht werden konnte. Ihre eigeuthümliche Modisieation, daß sie nämlich um diese Zeit Vorzugsweise mit Pusteln aufgetreten, fei damals der Grund der größeren ärztlichen Aufmerksamkeit gewesen, um so mehr, als diese exanthematischen Erscheinungen mit einer fast plötzlichen Geschwindigkeit auftraten, zu einer unglücklichen Zeit, wo überhaupt viele Er c esse in venere die Seuche verbreiten halfen und andere gleichzeitige Krankheiten grassirten, die von den damaligen Schriftstellern mit sehr ungenauen Bezeichnungen referirt werden und darum die Erkenntnis; durch Confusion der Namen erschweren. Nach ziemlich übereinstimmenden Berichten scheine die Seuche am ärgste!; in Rom gehaust zu haben, d. b. in der volkreichsten, von Fremden besuchtesten, die meisten Mttssiggänger enthaltenden, überhaupt der unsittlichsten Stadt Ftaliens. Die Begründung dieser Ansicht und die Widerlegung jeder gegnerischen ist bem ebenso gelehrten, wie geistvollen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.