Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Tract. Megilla, Absch. III, Mischna 9
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
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134 Tract. Megilla, Absch. HX, Mischna 9.. Fragen wir zuvörderst, was heißt בעריות OT? Maim. im Mischnacomment. meint, es sei eine Umänderung der personellen Sufixis אביו statt אביך u. s. w. in der Befürchtung, es mochte einer der Zuhörer dies auf sich beziehen und sich verletzt fühlen. Diese Erklärung aber wird schwerlich befriedigen, denn es wäre unbegreiflich, warum dies gerade hier und nicht auch bei vielen anderen Verboten, namentlich der zweiten Hälfte des Dekalog der Fall sein sollte? Vielleicht dachte er dabei an die Stelle Schbuoth 36s. R. Jehuda sagt zu R. Kahana •כנר b. h. er solle יככם statt יכך sagen. Dort ist aber von einem Fluche die Rede, wobei man bekanntlich viel penibler war und deshalb auch das Strafkapitel תוכחה in gedämpftem Tone lesen sollte. Die passendste und beste Erklärung scheint uns die im Talmud von R. Josef gegebene קלון אביו וקלון אמר, nur will uns bedünken, daß diese Worte etwas Anderes sagen wollen, als ״Verschärfung der Ehrfurcht gegen die Eltern", ״daß Kinder die moralischen Gebrechen der Eltern nicht aufdecken, sondern verschweigen sollen". Nur Bertinoro scheint dies wirklich so verstanden zu haben, wogegen Raschi uns darüber in Zweifel läßt. Wir könneu uns aber nicht denken, daß R. Jos. unter מכנה בעריות Etwas verstanden haben soll, was eben nur auf diese Beide, nicht aber auf alle עריות anwendbar ist, während die Mischna ganz unzweifelhaft alle vor Augen hat. Es müssen wohl andere bestimmt ausgeprägtere Momente gewesen sein, die hier den Tanaiten vorschwebten; es müssen nothwendig ganz abnorme Dentungen gewesen sein, gegen welche sie zu eifern allen Grund hatten, weil deren Verbreitung um so bedenklicher war, als gerade dieses Kapitel ohne Tradition fast ganz unverständlich bleibt und den gefährlichsten Irrlehren Thür und Thor öffnet. Leicht möglich, daß der veränderte Ausdruck קלון, den hier R. Jos. gebraucht, zu jener Auffassung geführt hat, damit ist aber deren Richtigkeit noch nicht bewiesen, indem, wie wir annehmen, R. Jos. sich nur einer לשון נקיה bedient. Die Parallelstelle im Jerusch, hat wirklich ערייתא ראבוה וערייתא ראמי. Wir haben oben bereits angedeutet, daß wir es hier nicht mit dem Hellenismus oder speciell mit der jüdisch-alexaudrinischen Schule oder dergl., sondern mit dem echten Säducäismus und ähnlichen gnostischen Jrrthümern zu thun haben, welche durch Abweisung der Tradi-