Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Einiges zur Erklärung der Mischna Megilla 4, 9
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2829388-2829392-2864974--12644-2865021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
128 Einiges zur Erklärung der Mischna Megilla 4, 9. bereits von Movers (die Phönizier rc. S. 383, vgl. auch Allioli, Alterch. der Hebr. Theil II, 2. Abth. § 29) auf das Schlagendste nachgewiesen wurde, und der im Pentateuch an zwei verschiedenen Stellen als straffälliges Laster erwähnt wird (Lev. 18, 21 und das. 20, 2—5) war von doppelter Art. Zunächst gaben feile Dirnen (Götzenpriesterinnen, קדשוה) dem Götzen zu Ehren ihre Unschuld preis. Sodann wurden aber auch die durch solche fleischliche Bermischung erzeugteil Kiilder dem Feuerkult dieses Götzen übergeben; in welcher Gestalt er zu Karthago als der, seine eigenen Kiilder verzehrende Kronos verehrt wurde. Der hier zuerst erwähnte Kult lvird daher in Lev. 18, 21 an die Spitze der andern Verbote des I n c e st e s gestellt. — Dahingegen wird das. 20, 2 fg. der eigentliche Götzendienst des Moloch, nämlich das U e b e r g e b e n der K i n d e r für den F e n e r k n l t verboten; ähnlich den darauf folgenden Verboten, der Todtenbeschwörer n. s. m. אבח, ידעונים, vergl. auch Deut. 18, 10. Der Sinil der ersteren Stelle wäre demnach: ״Begehe nicht eine fleischliche Vermischung (ומזרעך wie das. V. 20) mit der Molochpriesterin, denn als eine Folge dieser Prostitution lvird auch der zweite, weit größere Gräuel entstehen, daß dein Kind dem Feuerkult dieses Götzen übergeben werde". (להעביר למלך bedeutet: übergeben, preisgeben, iveihen, ebenso wie והעברת...לה׳ Exodus 13, 12.) Die Halacha deducirte mm aus diesem mosaischeu Verbote ein Doppeltes: 1) Nicht blos der Feuerkult des Moloch, sondern auch jede andere Anbetung irgend eines Götzen, gleichviel von welcher Beschaffenheit der Gegenstand oder die Art der Verehrung sei, ist auf dieselbe Weise verboten. Und dafür fand man in dem Worte מלך selbst eine Stütze: der Herrschende, Regierende, also über- Haupt ein Götze, den man sich als Herrscher denkt, und dessen Negierung man sich unterwirft. Vgl. Snhdr. 64 b למלך בל שתמליכהו עליך אפילו ל קיסם אהד. י) Höchst wahrscheinlich ist hier das קיסם אחד in demselben Sinne zu nehmen, wie das קיסא von den syrischen Kirchenvätern gebraucht wird, nämlich für orux lignea. Demnach wäre die Leseart in Ialkut 1, 8 286, wo die in unserer Gemara sich befindenden 2 Worte אפילו צרור nicht stehen, die richtigere.