Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 3 · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 3
Article
Einiges zur Erklärung der Mischna Megilla 4, 9
Date
1870-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2829132-2829388-2829392-2864974--12642-2865019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

126 Einiges zur Erklärung der Mischna Megilla 4, 9. Sätze der Mischna nicht als überflüssig erscheinen. Diese lauten nämlich wie folgt: המכנה בעריות משתקין אותו. האומר ומזרעך לא תחן להעביר למלך ומזרעך לא תתן לאעברא בארמיותא משתקין אותו בנזיפה. Hr. Rabb. Br. will in den beiden Sätzen ״eine symbolisirende Auffassung biblischer Gesetzesstellen, nach dem Muster der jüdisch-alexandrinischen Schule" erblicken. Daß zuvörderst im erstern Satze eine solche Uebersetzung als tadelnswerth bezeichnet werde, die in Lev. 18, 7 ״eine Verschärfung der Ehrfurcht gegen Eltern finden wollte, daß ein Kind nicht die Schande, d. h. die moralischen Gebrechen der Eltern aufdecken, sondern darüber schweigen soll". — Diese Interpretation aber, obschon sie sich auf einen bedeutenden Gewährsmann stützt, nämlich Raschi, nach dessen Auffassung der Worte des R. Josef (Megilla 25») לא תגלה שום דבר קלון , scheint schon deshalb nicht zulässig, weil in diesem Falle der erste Satz nicht schlechthin durch המבנה (abweichend von dem האומר im zweiten Satze) eingeführt und blos angedeutet, sondern adäquat dem zweiten Satze, etwa wie folgt ausgedrückt worden wäre: האומר ערות אביך . . . קלנא ראבוך וקלנא דאמך לא תגלי משתקין אותו. Ferner leuchtet es durchaus nicht ein, daß der qu. Satz המבנה בעריות sich blos auf den einen Bibelvers (Lev. 18, 7) beziehe; die Mischna will vielmehr besagen: Wenn Jemand das eine oder das andere der Jncestverbote umdeutet u. s. w. Eine solche Umdeutung könnte aber auf die anderen Verbote V. 8 fg. nicht angewandt werden. Endlich würde die hier gegebene Uebersetzung קלנא דאבוך וקלנא דאמך (oder in hebr. Form קלון אביך וקלון אמך) noch keineswegs irgend eine Uindeutung oder Umschreibung des einfachen Schriftsinnes enthalten, da קלנא oder קלון ebenso wie das Textivort ערות: Blöße, d. h. Schamtheile bezeichnen kann. Sollte etwa die betr. Umschreibung auszudrücken sein קלנא דמרעם ראבוך וכד, oder hebr. שום דבר קלון של אביך ובו׳? was aber nicht einmal in den Worten des R. Josef enthalten ist. — Hierzu kommt noch der gewiß nicht unberücksichtigt zu lasiende Umstand, daß nach der Erklärung Naschi's die Worte des R. Josef קלון אביו וקלון אמו nicht in Einklang zu bringen wären mit denen des R. Jona in jerus. Gemara z. St., der hierfür setzt בעיריתא דאבוי ובעיריתא דאמיה, als dessen Uebertragung in's Hebr. der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.