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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 3 · p. Seite 114

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 3
Article
Das Gottvertrauen der Anawim in den Stürmen unserer Zeit
Date
1870-01-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 Das Gottvertrauen der Anawim in beu Stürmen unserer Zeit. moderne Bibelkritik, die nachhinkende neujüdische Reform, der * deutsche und sonstige liberale Katholizismus, die Religion der Lichtfreunde, der freie Protestantismus, das Unitarierthum, die Liberalen der universellen Religion, und wie alle die Bestrebungen auf religiösem Gebiete in der neuesten Zeit noch heißen mögen, was haben sie hervorgebracht, ivas können sie Hervorbringen? Forcirten Enthusiasmus a froid, oder Skeptizismus, keine neue Religion, auch teure Erneuerung der alten; sie glauben einen Anstoß zu geben, und werden gestoßen; sie glauben zu schaffen, und sind nur Werkzeuge der Zerstörung; sie bilden sich ein, zu ״sitzen an! sausenden Webestuhl der Zeit" und zu ״wirken der Gottheit lebendiges Kleid", und sind nur die Schneidergesellen, welche die Päthe der abgelegten Kleider auftrenneu — eine ganz nützliche Arbeit übrigens, da es keine neue Verbindungen ohne Auflösung der alten gibt. — Aber der wirkliche Werkmeister der modernen Welt, der zugleich als Zerstörer und Schöpfer hinter allen diesen Bestrebungen verborgen ist, der sich aber Jedem, der seine Zeit versteht, in seiner ganzen Größe und Herrlichkeit zeigt, dieser wirkliche und allgegenwärtige Werkmeister ist kein anderer, als der Geist der positiven, modernen Wissenschaft. — Die Erforschung der Natur und Geschichte bis in ihre kleinsten Details, deren Resultate, im Gegensätze zu anderen luftigen Theorieen, stets unmittelbar ihre Anwendung finden und ihren Einfluß auf die Neugestaltung alles Lebens in der menschlichen Gesellschaft ausüben, diese zugleich theoretische und praktische Arbeit, die in dem Maße ihre Licht- und Wärmestrahlen degagirt, als sie ihre Kräfte verbindet und concentrirt, sie, und nur sie kann und wird auch, obgleich nicht absichtlich oder willkürlich, sondern weil es in ihrer Natur liegt, eine Neugestaltung der Religion hervorbringen, von welcher sich unsere Philosophen und Theologen nichts träumen lassen. Auf das Judenthum angewendet, kann es sich demnach heute eben so wenig, wie in den anderen Religionen, um eine Neugestaltung handeln, auf dem Gebiete, welches bisher als das religiöse oder gläubige galt; denn die alles zerstörende und erneuernde moderne Wissenschaft hat ja auch dieses, und vor allem andern dieses Gebiet eben so gründlich umgeackert, wie jedes andere der modernen Gesellschaft. Die Juden, welche ihre Zeit

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