Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beleuchtung einiger Stellen in Exodus 3, 1-15, 22
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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108 Beleuchtung einiger Stellen in Exodus 3, 1—15, 22. Geschichte nennt. Man sieht die Ereignisse in ihrem Erscheinen, aber nicht in der Entstehung. Trotz den vielfachen Veranlassungen, kein Wort des Lobes, des Beifalles, keine Mienen des Tadels, der Entrüstung, jenen nothweudigen Aeußeruugeu des Subjektes, das den Ereignissen gegenübersteht, dieselben betrachtet, ordnet mtd beurtheilt. Die höchst seltenen Fälle, wo über ein einzelnes Volk oder ein Individuum ein Urtheil gefällt wird, machen auf uns den Eindruck, als ob es von Jemandem käme, der, für geschichtliche Ereignisse, selbst für ihre ethische Seite, ganz gleichgiltig, nur uothgedruugen ein Urtheil hierüber abgiebt. Die Annahme, das; die biblische Darstellung objektiv gehalten sei, erklärt diese Erscheinung keineswegs. In der objektiven Darstelluug tritt wohl die Persönlichkeit, aber nicht der Geist des Subjekts in den Hintergrund. Die schöpfende Kraft wird von der Person des Subjekts losgelöst und kommt in den Ereignissen selbst zum Vorschein. Diese treten so׳ aus der Jsolirung, in der sie die Wahrnehmung findet, und sammeln sich zu zusammenhängenden Theilen eines großen Ganzen. Wo aber die Fakta in ihrer Nacktheit vorgeführt werden, da hört jede Darstellung auf und fängt das Gebiet der Chronik an. Mit einem Worte: eine Mittheilnng von Ereignissen ohne alle und jede Spur von Pragmatismus ist das Werk des Zufalles. Legt nun aber die Bibel in der That einen so geringen Werth auf ihren historischeu Theil, daß mau von ihr nach dieser Seite hin nichts verlangen darf? Schon ihre getroffene Auswahl aus der ungeheureu Menge der Ereignisse, die ihr Gebiet dem Raume wie der Zeit nach umfaßt, weist eine solche Voraussetzung zurück. Sie läßt vielmehr vermuthen, daß das edelste und wärmste Interesse daß eine vom göttliche». Geiste beseelte, tief ethische Weltanschauung bei der Zusammenstellung beschäftigt war. Was man auch von der Bibel denken möge, dies Eine steht fest: der Gesichtspunkt, von dem sie die Entwickelungsgeschichte Israels betrachtet, ist ein erhaben ethisch-religiöser. Eine Geschichtsschreibung aber, die in