Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritische Analyse einer Mischnah und Boraitha
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
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Kritisch» Analyse einer Mischnah und Boraitha. 77 nimmt diese Stelle als eine indirekte Widerlegung. Das Vorhandensein des materiellen Nutzens für den ahronidischen Sklaven wird auch von den Chachamim zugegeben. Sie begreifen nur nicht, wie R. Meir so viel Gewicht auf diesen Umstand legen könne. Einen Vortheil im eigentlichen Sinne des Wortes, geschweige denn ein Recht, könne man dies unmöglich nennen, eben so wenig als von einen! Recht die Rede sein könnte, das das Vieh eines Ahroniden besäße, weil es auch Hebe genießen darf. ״Den! Sklaven ist der Genuß der Hebe" nicht erlaubt als einem Menschen, sondern ״als dem Eigenthum des Ahroniden" (מפני שהוא קנינו). Man muß gestehen, daß diese Erklärung den Worten mehr entspricht. Und dies war auch wohl der Grund, daß der Mischnahcommentator Obadja di Bertinoro es wagte, dieser Erklärung den Vorzug vor der des oben erwähnten Amora zu geben, ein nicht genug zu würdigender Umstand. Es steht aber auch dieser Erklärung ein sehr gewichtiges Bedenken im Wege. Wenn es wahr ist, daß die Chachamin! den materiellen Nutzen des Sklavenzustandes für nichts zählen, so darf derselbe nach keiner Seite hin in Anschlag gebracht werden. Dies geschieht aber nicht. Die Chachamim nehmen ja, wie wir gesehen haben, den Umstand, daß der Sklave keinen Anspruch auf Lebensunterhalt hat, zum Ausgangspunkte ihrer Entscheidung. Außer den beiden erwähnten Versuchen findet sich noch ein dritter im jerusalemischen Talmud (an der Parallelstelle), der aber, wenn möglich, noch uudeutlicher ist, als die. zu erklärende Stelle. Freilich sieht Vers, von פני משה auch hier, wie sonst häufig, nur das Echo des babplonischen Talmud; aber, iveun man überhaupt etwas Bestinlmtes sagen könnte, so wiirde man darin eher den maimonidischen Versuch sehen. Eine sorgfältig vergleichende Untersuchung der zwei verschiedenen Quellen, in denen die Disknssion zwischen N. Me'i'r und den Chachamin! aufbewahrt ist, dürste wohl Licht über die so unverständliche Stelle verbreiten. Dieselbe Disknssion findet sich nämlich auch in einer Boräitha (a. a. O. 12 b). Man könnte allerdings auch noch eine dritte Quelle, eine Tosephta, nennen. Allein es ist beim erste!! Blick ersichtlich, daß beide, Boraitha und Tosephta, denselben Ursprung hoben, nur mit den! Unterschiede, daß letztere sehr entstellt ist. Wenn man die eben er-