Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Alter jüdischer Volkswitz in der muhammedanischen Literatur
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 4)
- Language
- German
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3Ü1CV jüdischer Votksmih in der muhammedanischcn Literatur. 71 anbequeinte. Die Helden sind hier drei Brüder, die ihr Vater, ״einer der ersten Stammväter der Araber und unter die Propheten gezählt"'), — auf Reisen schickt, um Welterfahrung zu sammeln. — Ein Karamanenführer begegnet ihnen, der ein Kameel sucht. Die drei Briider geben ihm ähnliche Merkmale an, mie im Midrasch der jerusälemische Diener; nur fügen sie zu dem Gebrechen der Einäugigkeit einen ausgebrochenen Zahn und einen hinkenden Fuß, während statt des heidnischen Kameeltreibers ein mnthwilliges Mädchen die Kameelstute lenkt. Der Scharfsinn der Brüder bringt sie in den Verdacht des Diebstahls; man führt sie vor den Fürsten, der nach der Ueberzeugung von ihrer Unschuld sie bewirthet. Der mm folgende Theil der Erzählung entspricht wieder mit einigen Aenderungen vollkommen der Erzählung des Midrasch von den vier Jerusälenlern. -Rur die zerbrachene Bettstätte ist weggeblieben, da ja statt vier nur drei Helden auftreten. Wir sehen, mie die jüdischen Anekdoten sich bequemen mußten, arabischen Zuständen angepaßt zu werden, und dabei, wie auch nicht anders denkbar, manche Veränderungen erlitten und besonders die nationalen Elemente einbüßten. Den Einwand, ob nämlich der jüdische Bericht nicht secundär sei und aus einer Zerreißung des ursprünglichen arabischen hervorging, widerlegt nicht bloß die oben dargelegte Ansicht, daß diese Erzählungen in ein hohes Alterthum hinaufragen, sondern auch ein anderer, nicht minder wichtiger Umstand, der die Anekdoten als jüdisches Eigenthum bekundet. — Die erste Partie nämlich findet sich im. babylonischen Talmud (Synhedrin HM3, b) als Borajtha (תנו רבנן), die Raba im Namen R. Jochauan's mittheilt. Obwohl sie einerseits hier ein historisches Gepräge erhalten hat, indem statt des Dieners zwei gefangene Inden ihren Witz zeigen, so giebt sie sich andererseits als rein hebräische Uebersetzung des aramaischen Berichtes, bis in Einzelnh eiten übereinstimmend. So ist wenigstens dieser Partie die Ursprünglichkeit und das hohe l) So Hammer. Ghassari sagt blos lnach dem .Cod. der Breslauer Stadtbibtiothek): ״In einigen Geschichtsbüchern steht geschrieben, daß Uor:>r Um Moadd ibu Adnän, der in den Wegen unseres Propheten, dein' Lob und Preis sei, wandelte, drei Söhne hatte" u. s. >v.