Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Alter jüdischer Volkswitz in der muhammedanischen Literatur
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 3)
- Language
- German
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70 Alter jüdischer VolkSivih in der muhammedanischen Literatur. halbjährigen Aufenthaltes nicht gelingt. Er reist schließlich ab, nachdenl er einen einäugigen Knecht gekauft hat, der aber ungeachtet seines Gebrechens die äußerste Scharfsichtigkeit an den Tag legt. Vernröge dieser erkennt er, daß in einer Entfernung von vier Meilen eine einäugige, mit zwei Jungen trächtige Kameelstute ziehe, die in zwei Schläuchen Wein und Oel trägt und deren Kameeltreiber du Heide 1j ist. In der zuerst genannten Anekdote wird wieder erzählt, wie vier Jerusalemer nach Athen kommen, wo ihnen ein dortiger Bürger nach dein Mahle Bettstätten anweist, so jedoch, daß die vierte, weil zerbrochen, an die Nachbarin gelehnt ist. Dies erkennt ihr Inhaber bald und macht seine Glossen darüber; auch die andern Genossen lassen ihre Bemerkungen über die genossene Bewirthung folgen. Der Eine behauptet, der Wein wäre ans Gräbern gewachsen, der Andere, das Lamm, von dessen Fleisch man ihnen geboten, sei von einer Hündin gesäugt worden, der Dritte macht gar den Wirth zu einem Bastard. Unglücklicherweise hatte dieser, nur sich von der vielgerühmten Klugheit der Jerusalemer zu überzeugen, gehorcht; er hört die sonderbaren Urtheile, stellt Nachforschungen an rrnd findet sie durchaus der Wahrheit gemäß. Diese Anekdoten sind es nun, welche irr eine Erzählung verschmolzen, der Ehre theilhaftig wurden, vielen arabischen Geschichtswerken einverleibt zu werden, von wo sie dann mittelst Herbelot Voltaire zugänglich wurden und ihnr den Stoff zum ersten Kapitel seines Zadig lieferten 2). — Hammer in seiner ״Geschichte der schönen Redekünste Persiens" (Seite 308 f.) bringt dieselbe vollständig aus dem historischen ״Bildersaal" des Ghaffari, welcher sein aus dreißig arabischen rmd persischen Geschichtswerken compilirtes Buch damit einleitet. Es ist von Interesse zu sehen, wie der arabische Volksgeist — denn Ghaffari's Quellen dafür sind zunächst arabische, wie Hammer a. a. O. darthnt — diese Kinder jüdischen Witzes urodificirte und eigenen Verhältnissen ') osp nur hier vorkommend. ’) Siehe Hammer a. a. O. Doch citirt H., wie häufig, nach dem Gedächtnisfe. Gemeint ist das dritte Kapitel in Zadig, überschriebcn: Le eliicn ot 10 clieval (f. Oeuvres completes de Voltaire, Gotha 1787 t. XLIV, S. 11 ff.).