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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 11 · p. Seite 518

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 11
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 518 (sequence 11)
Language
German
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518 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart tischer, gleichsam ziffermäßig festzustellen. Unter den 80 Sätzen sind neun, welche wir ebenfalls pure verwerfen, nünrlich I, 2, 5, 39, 58—61, 64. Es sind Lehrsätze des Atheismus, Pantheismus, Materialismus, oder sie sprechen aller Sittlichkeit Hohn. Außerdem acht, gegen die wir ebenfalls unsere Bedenken haben; nämlich 3, 4, 6—7 (omissis omiltendis) 48 (insofern jeder Religionsunterricht tiberflüsfig sein soll) sowie 66—68 — cf. 73 — (insofern auch wir die religiöse Form der Eheschließung beibehalten wissen und das Recht, die Ehehindernisse, nämlich die wegen Verwandtschaft, festzustellen oder "von solchen zu dispensiren, nicht der Staatsgewalt iibertragen wollen; was freilich imnrerhin etwas Anderes ist, als die für die Kirche verlangte d iscretionaire Gewalt). Ueber 63 reden wir nicht, der Satz steht auf Schrauben, und die Achtung vor der Legitimität hat im Munde des Papstes immer die Reservation ״soweit wir sie anerkennen". Das sind also 17—18 Sätze, in deren Betreff orthodoxes Judenthum dem Katholicismus beipflichtet; aber diese Sätze sind es wahrlich auch nicht, deren Verwerfung den Un- .willen der politisch und religiös Liberalen erregt hat, am wenigsten die der ersten Kategorie, welcher der Syllabus geflissentlich die schroffste Faffung giebt, um sie desto energischer verurtheilen zn können. Wir brauchen ferner wohl kaum zu sagen, daß hier das duo si fachint idem, non est idem gilt, daß unser Abweisen und Verwerfen einer Lehre oder Meinung etwas ganz anderes ist, als ein päpstliches damnsre, reprodars oder auch nur notare.1) Alle übrigen Sätze, welche als Jrrthümer der Zeit verurtheilt werden, billigt das orthodoxe Judenthum direkt und bestimmt, oder sie stehen für dasselbe mit der Religion in gar keinem Zusammenhang, oder es hat als solches über deren Inhalt gar kein Votun! abzugeben (Placet, weltlichen Besitz des Papstes n. d. m.) Wie aber steht die p r o t e st a n t i s ch e Orthodoxie zu den ') Zur Steuer der Wahrheit muß, nach den Angaben katholischer Kanomsten, constatirt werden, das; die 80 Satze keineswegs als gleichmäßig ketzerisch bezeichnet werden, daß vielmehr bei jedem ans die Quelle verwiesen ist, um danach den Grad der Verwerfung zu bemessen. Dennoch ist dies hier gleichgültig, verurtheilt werden sie allzumal.

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