Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 517 (sequence 10)
- Language
- German
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unb das Iadttithui». 517 nicht lernen oder lehren; es ist nicht Tradition, denn es gehört eigene, schwungkräftige Auffassung dazu; es ist der שימוש — wozu für Kundige solche Termini vermeiden oder breit umschreiben?! Ist also nun an den Anklagen, die man gegen jüdische Orthodoxie, nach der Aehnlichkeit mit der christlichen, vorbringt und den Stichworten, die man herüberholt und ihr entgegenwirft, ein Schimmer von Wahrheit? Der katholischen und protestantischen wirft man zweierlei vor. 1) Feindseligkeit gegen die Entwicke- Inng des modernen JdeenlebenS in Beziehung auf Staat, Schule, Gesellschaft, gegen Fortschritt, Wissenschaft, Bildung überhaupt. 2) Herrschsucht, Exclusivität, geistlicher Hochmuth, und damit zusammenhängend Geistesknechtung und Verdummung. Zum ersten. Wir führen auch an unsere Theile den Kampf (מלחמת חובה) gegen Atheismus u. dgl., aber wir verketzern, wir fluchen nicht. Und kämpfen wir etwa gegen Bildung und Wissen? Für das, was Der ׳und Jener Chasid in Ungarn oder Galizien sagt und schreibt, sind wir durchaus nicht verantwortlich; bei uns dringen die entschiedensten Vorkämpfer der Orthodoxie um die Wette auf die Aneignung jeden Wissens, jeder zeitgemäßen Bildüng, auf תורה עבם דרך ארץ. Es füllt keinem ein, das Studium irgend einer Wissenschaft ganz, oder vor einem gewissen Alter, zu verbieten, zu hindern, wie einst N. Salomou b. Aderet gethan, unfern Kindern und Schülern werden wir freilich nicht jedes Buch ohne Unterschied in die Hände geben. Und hat etwa das orthodoxe Judenthum gegen den Constitutionalismns für den ab-, solnten oder Feudalstaat, gegen Rechtsgleichheit für Privilegien- Herrschaft, gegen socialen Fortschritt für veraltete Zustände Partei genommen oder gegen confesfionslose Schulen, oder hat es gegen Schiller-Göthe-Humboldtfeier agitirt? Von dem Eintreten ftir Gewissensfreiheit gar nicht zu reden. Doch das Anführen von Einzelnheiten erschöpft die Sache nicht. Wir besitzen aber ein authentisches und auf Vollständigkeit Anspruch machendes Verzeichniß der Lehren und Ansichten, welche der Katholicismus, der Papst, verivirft, als heterodox bezeichnet. Es ist der bekannte Spllabus oomptootöns praecipuos nostrae aetatis crrores; es verlohnt sich das Aktenstück zur Hand Zu nehmen, um danach das Verhältnis jüdischer Orthodoxie zu katholischer und protestan-