Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 513 (sequence 6)
- Language
- German
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und das Judenthum. 513 den an Gott, den Schöpfer und Regierer der Welt, glauben an den wirklichen, geschichtlichen Christus und an den heiligen Geist, als die von Gott ausgehende, im Menscheugeiste wirkende Kraft" — so ,j machen die Gegner mit Recht geltend, daß ein solches Vekenntniß nicht mehr ein christliches sei. Ihr behauptet, sagen sie, eure evangelische Freiheit berechtige euch, zu diesem Bekenntniß zu gelaugen, es auszusprechen, und ihr findet es also im Evangelium nach eurer Auslegung; gut, wir raumen euch ein Recht auf dies, euer Vekenntniß ein, wenigstens so weit, als es uns nicht genirt, auch Nom überschätzt euch gegenüber seine jetzige Macht nicht, begnügt sich euch für Ungläubige zu erklären und läßt die Bäunie zu dem Holzstoß, der eure Nachfolger verzehren soll, einstweilen noch wachsen — aber lutherische und katholische Orthodoxe sagen mit Recht: ihr steht ganz und gar außerhalb der Kirche (abgesehen vom Taufbunde) und habt auf kirchliche Lehrämter und Würden durchaus keinen Anspruch. — Dies ist das Votum, welches w i r über diesen Zwist abgeben; sollten wir kein Urtheil haben, von dem Streite nichts verstehen? So weit geht unsere Bescheidenheit nicht. Was nun sonst vor-unfern Augen dem Ultramontanismüs (und der protestantischen Orthodoxie) tiefe Wunden beibringt, das sind äußere Umstände, in denen wir das Walten der Vorsehung, das שומר ישראל erkennen, die aber gleichwohl für den Zusammenhang dieser unserer Betrachtung unwesentlich sind. Es sind schwere sittliche Aergernisse, es sind Ueberstürzungen, Unklugheiheilen, Provokationen, Ohrfeigen, materielle oder ideelle, es find politische Ereignisse und Spstemwechsel, rnit einem Worte outward events, die morgen umgestaltet oder wett gemacht werden können. Wer kann uns versichern, daß die Beseitigung des Concordats in Oesterreich, die Proklamation der Glaubensfreiheit (?) ’) In Parenthesi: So können wir uns mit einem solchen Vekenntniß wohl befreunden, begreifen nur nicht recht, wie man so heterogene Dinge in ein ״Glaubensbekenntnis!" zasammenfassen kann; denn was hat der Glaube an Gott und an einen Gottesgeist im Menschen mit dem Glauben,. das; einst ein Mann, den Viele für den Christus halten, gelebt hat, zu thun? Und wenn ihr von Gott redet und zu Gott betet, wie kommt ihr dazu, in einem Athen; von und zu einen; Menschen, wer er auch sei, zu reden?! Frankel, Monatsschrift, xvill. 11. 33