Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 511 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829386-2864777--12403-2864818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und das Iudcnthum. 511 treten wird; der Nachsatz ist richtig. Einen katholischen Bischof guiescirt man nichts und ihn auf eine Festung zu transportiren, ist ein nicht ganz unbedenkliches Experiment. Das Papstthum ist noch eine Macht, hat trotz der verlorenen Quadratineilen durchaus nicht entsprechend an Gläubigen, an geistigenr Gebiet verloren; darüber sich zu täuschen, märe Thorheit. Was das Concil bewirken wird, steht dahin; aber eine jüdische Synode z. B. damit in Parallele stellen, ist immer lächerlich, den faktischen Verhältnissen gegenüber. Wir glauben damit unseriu Judenthum nichts zu vergeben oder die Macht des Ultramontanismus furchtsam zu überschätzen. Endlich und hauptsächlich: was hat der Katholicismus heutzrttage vom Protestautisiuus zu fürchten? Wer soll ihn da bekämpfen und mit 1v eichen Waffen? Die Lücke in diesem kämpft mehr gegen die eigene Kirche, als gegen Rom., ihre Schriften sind Roiiis Acker, ihr Wühlen sein Pflug, ihre Uebertreibnngen treiben die Katholiken in die Arme der Priester, oder söhnen ivenigstens mit ihiien aus. Und die orthodoxen Lutheraner? Die Punkte, gegen welche Luther einst mit Erfolg seine Angriffe gerichtet, hat Nom kluger Weise aufgegeben, oder maskirt, oder besser befestigt. Wir hören auch nur selten von Anfeindungen des Katholicismus durch protestantische Orthodoxe, wohl aber erleben wir täglich die rührendsten Beispiele von Sympathie und thatsächlichem Eintreten der letzteren für ersteren. Wir begreifen das vollständig; die Waffen, welche protestantische Orthodoxie gegen den Katholicismus führen möchte, sind wirklich von murinstichigen Holz, holt man zum Streiche aus, so zerbrechen sie in der Hand. Warum sollten wir das nicht beurtheilen können, warum nicht aussprechen? Wenn Gott einmal leiblich geworden ist, so kann er auch täglich in der Hand des Priesters sich transsubstanziiren; wenn das Unbegreifliche Dogma ist, so kann auch der Papst infallibel sein; wenn eines Andern Werk und Verdienst von Sünden lösen kann, so können auch die in Roms Gnadenschätz ausgespeicherten Werke und Verdienste durch den absolvirenden Priester den Sündern zu Gute kommen; wenn die veipara unbefleckt empfangen hat, so kann sie auch ebenso empfangen worden sein; wenn die Bibelauslegung des Einzelnen maßgebend sein soll, so hat eine, nach Uebereinstimmung Vieler, constants